Langweilig schön. Ein einziges gutes Spiel hat der „Furia Roja“ gereicht, um erneut den EM-Titel zu holen. Leichtfüßig, elegant und dieses Mal auch effektiv haben Silva, Jordi Alba, Torres und Mata die Italiener abgeschossen. Der zweite Sieg innerhalb weniger Tage für den schwer angeschlagenen Regierungschef Rajoy. Denn erst Ende vergangener Woche konnte er sich auf dem EU-Krisengipfel in Brüssel die Hände reiben: Seine inkompetenten und gierigen Banker kriegen Hilfe aus Europa. Sie dilettieren, verzocken, suchen die Schuld bei den anderen, jammern und haben am Ende sogar gedroht. Es hat funktioniert. Schule sollte das aber nicht machen, lernen kann man von Spanien eher in Sachen Fußball.

Die deutsche Elf versucht dies seit Jahren – zumeist recht erfolgreich. Dass es gegen Italien im Halbfinale nicht geklappt hat, liegt wohl am trägen Podolski, am deprimierten Schweinsteiger und am tumben Gómez. Schade. Der einzige Fehler von Löw zerstörte den Traum von der Revanche. Enttäuschte Patrioten haben jedoch einen weiteren Grund für die Schlappe ausgemacht: Die Deutschen – die, die halt nicht direkt vom Nibelungen-Siegfried abstammen – hätten im Gegensatz zu den „azzurri“ ihre eigene Hymne nicht mitgesungen – keine Leidenschaft, keine Identifikation, folglich auch kein Sieg.

 

Bayerns Innenminister Herrmann von der CSU tönte:  „Wer keine Lust zu seiner Nationalhymne hat, sollte in seinem Verein bleiben.“ Fußballkaiser Franz legte nach und erinnerte, dass er nach der Final-Pleite 1986 beim Turnier 1990 als DFB-Teamchef seinen Spielern eine Singpflicht verordnet habe – und Weltmeister wurde. Hessens Innenminister Rhein (CDU) ärgerte sich und fand, das Team könne hier von anderen Nationen lernen.

 

Oder auch nicht. Die spanische „Marcha Real“ kommt seit 1761 ohne offiziellen Text aus. Jeder Versuch, ihr schwülstigen Verbalpathos einzuhauchen, ist bislang fehlgeschlagen. Den Spielern hat das nicht geschadet. Auch hier könnte man von Spanien lernen.

 

Dominik Bloedner