Der Mensch ist ja von Natur aus ein ambivalentes Tier. Meine Wahlheimat zum Beispiel ist nun seit einigen Jahren Berlin. Innerlich bin ich aber nach wie vor Badener, ja Freiburger. Das bedeutet: Mein Abendessen in Berlin besteht aus einer Currywurst ohne Darm und einem Tannenzäpfle.

David Hasselhoff
Seit einigen Wochen stelle ich fest, dass ich auf der Bühne Lacher bekomme, sobald ich nur den Namen der Stadt Berlin in den Mund nehme. Und ich muss sagen, ich kann das verstehen. So ist es Berlin gelungen, 24 Jahre nach der Wende die Mauer fallenzulassen – an der East Side Gallery. Und jetzt will David Hasselhoff ein Benefizkonzert veranstalten, um die Mauer zu retten. Chinas neuer Staatspräsident XI Jinping wollte ihn deswegen auch gleich buchen – für ein Konzert an seiner Mauer.

Wahrscheinlich hat er nicht kapiert, dass es doch gerade Hasselhoff war, der die Mauer am Brandenburger Tor persönlich zum Einsturz gebracht hat. Und ausgerechnet der will jetzt, dass sie bleibt. Die Kanzlerin freute sich aus dem Osterurlaub prompt: „Ich glaube, in Sachen Flexibilität hat dieser Mann viel bei mir gelernt.“ Das Problem ist nur, wenn Hasselhoff singt, fällt die Mauer wahrscheinlich ganz alleine in sich zusammen.

Kleine Randnotiz für popkulturelle Hotzenwälder: Hasselhoff („Looking for freedom“) ist nicht zu verwechseln mit Westernhagen („Freiheit“). Westernhagen wird – im Gegensatz zum Baywatch-Badenixen–Kopfverdreher Hasselhoff – auch von Rainer Brüderle sehr geschätzt, weil er dessen drei ewige Lieblingssongs gesungen hat: Sexy, Willenlos und Johnny Walker. Der Durchbruch der Mauer könnte Hasselhoff vielleicht zu einem neuen Durchbruch verhelfen …

Dann hätte Berlin die Mauer endgültig vor die Wand gefahren. Und sollte es Hasselhoff gelingen, die Mauer mittels Gesang zum Stehenbleiben zu bewegen, wäre er der Hartmut Mehdorn der East Side Gallery.

Mehdorn ist die zweite große Panne der Stadt. Er soll den Berliner Flughafen BER retten. Dabei ist der Mann doch schon 70 Jahre alt, was bedeutet, dass die Eröffnung frühestens sein Nachfolger erleben wird.

Bei der Bahn: gescheitert. Bei Air Berlin: gescheitert. Aber jetzt der Retter des Flughafens. Mehdorn – der Lothar Matthäus unter den Managern.

Florian Schroeder
Florian Schroeder, Kabarettist, studierte in Freiburg, lebt in Berlin und vergibt die chilli-Schote am goldenen Band.

Fotos: Timur Emek/dapd / Privat