Freihandelsabkommen mit Amerika? Wieso sollen wir vom Freihandel abkommen? Wir haben doch noch gar keinen. In den letzten Monaten hatten wir mit den Amis eher Händel als Handel wegen dieser Abhörgeschichte. Aber jetzt soll gehandelt werden. Denn nur wer handelt, bleibt handlungsfähig. Entstehen soll die größte Freihandelszone der Welt. Für die Amis sind wir dann die Ostzone und sie für uns der West-Sektor.
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Wenn die Zollschranken zwischen den USA und Europäern endlich gefallen sind, wird unser Speiseplan noch abwechslungsreicher. Neben Big Macs und der braunen Brause auch mal hier ein hormongetränktes Rindercarpaccio, da ein leckeres Turbohähnchen mit Genmais und zum Nachtisch ein Antibiotika-Bagel. Aber Moment mal: Können wir das nicht auch jetzt schon kriegen, wenigstens in ausgesuchten Delikatessenläden?

 
Unsere amerikanischen Freunde dürfen im Gegenzug dann Rohmilchkäse aus Frankreich verzehren. Von den ungewohnten Bakterien werden sie vermutlich so was von Durchfall kriegen, da ist die Rache Montezumas in Mexiko ein Dünnschiss dagegen.

 
Vielleicht können wir in Zukunft auch das ganze Gemüse und Obst, das nicht den EU-Normen entspricht, über den Teich schicken: Krumme Gurken, zu kleine Äpfel und zu mickrige Schwarzwaldbananen. Oder einiges an Fallobst aus dem Kabinett? Da gibt’s doch auch Pflaumen und wurmstichige Bückware.

 
Interessant wird auch sein, wie die Amis auf unsere europäischen Filme reagieren, für die sie endlich ihren Markt öffnen müssen. Die amerikanische Kriminalstatistik wird in den Keller rauschen, wenn erst mal Lena Odenthal oder Ballauf und Schenk durch die Häuserschluchten von Chicago schnüffeln. Oder Till Schweiger oder gar Schimanski in den Straßen von San Francisco rumballern. Und bei uns in Frankfurt ermittelt dann im Gegenzug Kojak alias Telly Savalas: Einsatz in Mainhatten. Die Vorstellung ist „entzückend, Baby“.

 
Oder stellt Euch den Aufruhr vor, wenn im puritanischen Amerika die ganzen französischen Dreieckskomödien gezeigt werden können – da werden die bigotten christlichen Freikirchen im Viereck springen. Und fürs Rockbusiness schicken wir BAP für die Baptisten. Na, dann: Frohes freies Handeln. Eine scharfe Chilli als Appetizer.

 

Volkmar Staub