Die Geschmackspoliszisten Ralf Welteroth und Benno Burgey sind den chilli-Lesern als Kolumnisten (Saunddreck) längst ein Begriff. Besondere Ereignisse erfodern besondere Maßnahmen und so war das Duo für die chilli-online-Gemeinde nun im Konzerthaus und lauschte Gunter Gabriel, der seinen Freund Johnny Cash auf die Bühne brachte. Ein Saunddreck-spezial-live also, ein nur vermeintlicher Großeinsatz für die Geschmackspolizei im Konzerthaus Freiburg.

Schon zu Lebzeiten eine Legende: Johnny Cash.

 

Gunter Gabriel gibt den Man in Black. Der Gunter Gabriel, der sich selbst über die Jahre immer wieder gerne oben auf die Fahndungsliste setzte, in dem er zum Beispiel aus House of the rising sun, „Es steht ein Haus im Kosovo“ machte (davor noch „…. in West-Berlin“), oder 2001  den Euro mit  „Bye bye Deutsche Mark” willkommen hieß, die schwarz- rot-goldene Klampfe immer im Anschlag. Mildernde Umstände, Alkohol, Absturz, Pleite,  Hausboot im Hamburger Hafen, Wohnzimmerkonzerte. Jetzt scheint er wieder oben auf.

Mit dem  Musical „ Hello, I`m Johny Cash“ über das Leben und Werk des großen Country-Ikone gastierte er in der Rolle seines Alter Ego, begleitet von einer erstaunlich gut aufgelegten und eingespielten  Backing-Band  im Konzerthaus Freiburg, wo es  an diesem Abend noch genug Luft nach oben gab. Das Parkett passabel gefüllt, die oberen Ränge so leer wie ein ausgeraubtes Pharaonengrab. June Carter, Cashs große Liebe, wurde von Vasiliki Roussi etwas zu affektiert zwar, aber stimmlich auf der Höhe, verkörpert. Ihr  Bridge over troubled water -Solo war nahezu herzzerreißend, harte Beamte schluckten und wischten sich verstohlen ein paar Tränen aus den Säcken. Aber zurück zu Gunter Gabriel aka Johnny Cash.

Die Perücke sitzt, er am Bühnenrand, Trockeneis wabert. „Ain`t no grave can hold my body down“ . Ein schlichtes Bühnenbild, wenig Klamauk, Gabriel gibt den Cash, und nicht mal schlecht. Die Geschichte vom Man in black kennt fast jeder, seine Songs sind Allgemeingut. Das Publikum im Konzerthaus ist dankbar, Applaus gibt’s reichlich, und Gunter, der  Siebziger-Jahre- Hitparadenonkel, ist in Form, vielleicht nicht mehr in der Form seines Lebens, aber mit 70 kann man schon mal außer Puste geraten, und seinen Hüftschwung, den hat man von anderen wahrlich schon viel schlechter gesehen – remember Oskar, SPD-Parteitag.

Gegen Ende der Show, als er sich  die Perücke bereits schon runtergerissen hat und nun wieder als Gunter Gabriel zu seinem Publikum spricht, bringt er es auf den Punkt. Seine alten Weggefährten von früher, Drafi Deutscher, Roy Black. Rex Gildo, alle tot wie auch Johnny Cash. Aber er, er ist noch am Leben und wünscht sich, es noch ein paar Jährchen zu bleiben. Wir wünschen  dabei gutes Gelingen. Hoffentlich sitzt er  bald in St.Quentin bzw. in Hamburgs Santa Fu, nicht als Sträfling,  seine alten Tonsünden sind längst verjährt, nein, natürlich mit der Gitarre und begrüßt die Knackis mit  „Hello, I am Gunter Cash“

Ralf Welteroth für die GeschPo