1,9 Kilometer schwimmen, 90 Kilometer Rad fahren und 21,1 Kilometer laufen: Nach vier Stunden, acht Minuten und 34 Sekunden kommt der Freiburger Maurice Clavel bei der Halb-Ironman-EM im August als Vize-Europameister ins Ziel. Im nächsten Jahr stehen für den 26-Jährigen die Weltmeisterschaften an – doch sein Ziel ist der Ironman auf Hawaii.

 

„Als ich ins Ziel gekommen bin, habe ich meinem Trainer gesagt: Ich kann in dieser Saison kein Rennen mehr machen, jetzt ist fertig. In den vier Stunden geht man an seine Grenzen – danach ist man nicht in zwei Minuten wieder frisch, sondern hat Krämpfe und Schmerzen.

 

Doch der beste Motivator ist die Euphorie. Wenn ich ein scheiß Rennen in Wiesbaden gemacht hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich noch im Bett und würde jammern. So war für mich am Montag danach schon klar: Okay, ich kann zwar noch nicht so richtig gehen, das Treppensteigen tut noch sauweh, aber bei meinem nächsten Rennen in zwei Wochen rocke ich das Parkett.

Maurice Clavel

 

Mein großes Ziel ist der Ironman auf Hawaii – dafür gebe ich mir noch so vier Jahre. Im nächsten Jahr stehen aber erstmal die Weltmeisterschaften an, für die ich mich schon fast qualifiziert habe. Mein Trainer sagt, ich soll dort noch nicht gewinnen, weil es noch zu früh wäre. Denn obwohl ich schon seit sieben Jahren Triathlon mache, war das erst meine vierte Mitteldistanz. Vorher habe ich bei Weltcups mitgemacht. Der Unterschied: Bei Weltcups kann man in der Gruppe Rad fahren, beim Iron Man ist das Fahren im Windschatten verboten. Hier ist jeder auf sich alleine gestellt. Die Angstdisziplin über den Winter war deshalb auch das Radfahren. Ich wusste nicht: Kann ich mit der Weltspitze mithalten, oder krieg ich da richtig auf den Sack? Im Laufe der Saison hat sich glücklicherweise herausgestellt, dass das total unbegründet war.

 

Neben dem Sport ist es mir wichtig, dass mein Studium von Sport und Geschichte auf Lehramt nicht untergeht, denn von dem Geld, das ich verdiene, kann ich nicht leben. Wenn ich als Fußballer Vize-Europameister wäre, müsste ich mir keine Gedanken über die Zukunft machen, sondern würde die ersten Millionen einfahren. Doch wenn man als Triathlet richtig gut leben will, muss man schon zur Weltspitze gehören.

 

Bisher hab ich mit der Uni Gas gegeben und nebenher noch viermal am Tag trainiert. Doch dann habe ich gemerkt, dass das ein Spagat ist, der nicht lange gut geht – nicht, weil ich das Training nicht schaffen würde, sondern weil die Regeneration fehlt. In diesem Semester setze ich daher alles auf den Sport und besuche nur eine Vorlesung. Bisher hat sich das ausgezahlt.

 

Mein Alltag ist schon anders als bei den meisten Leuten. Abends weggehen oder sich mit Freunden treffen, ist schwierig. Es rächt sich einfach, wenn du nicht genügend Schlaf hast. Aber ich bin eh kein so Partytyp – irgendwo mit einem Bier rumzustehen, kann ich gar nicht leiden. Wenn ich Party mache, dann auch richtig.“

 

Text: Tanja Bruckert / Foto: Jörg Schüler