Der deutsch-französische TV-Sender Arte startet mit einer Programmreform ins neue Jahr. Nun, ich als Arte-Gucker brauche keine, habe ich spontan gedacht. Aber noch bevor Programmchef Christoph Hauser die Einzelheiten Mitte November in Hamburg überhaupt vorstellte, hatte die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm den Sender schon dafür kritisiert, dass der offenbar fortan mehr auf leichter zu vermittelnde Inhalte setzen will. Er stützte sich dabei auf interne Papiere des Kulturkanals – wo es etwa heiße, dass der Ton des Programms freundlicher, emotionaler und zugänglicher werden müsse. Ah, mon Dieu, mag Hauser gedacht haben und versprach schnell, dass Arte auch künftig der Sender der Autoren bleibe.

Im Übrigen gebe es im kommenden Jahr 80 Stunden erstausgestrahlte Dokumentationen mehr als im ablaufenden. Und am Sonntagvormittag ein Kulturgespräch, am Nachmittag andere kulturelle Formate – die freilich mit mindestens 50 Prozent Musik gemischt werden sollen, wie in den Leitlinien heißt. Man setze auf mehr Übersichtlichkeit und möchte das etwa dadurch erreichen, dass jeder Tag eine eigene Farbe bekommt. Du Schatz, heute ist Arte rot, heute bleiben wir zuhause.

Offenbar will Arte nicht mehr nur Intellektuellen-Sender sein. Will populärer werden. Von der Ausweitung der Arte-Zuschauerzone , könnte ein Stück über die Motive überschrieben sein. Der Sender will mehr Publikum. Will dafür weniger schwere Kost mit Portraits von Menschen, die nicht ohnehin schon jeder kennt. Will weniger analysieren. Und irgendwann dachte ich, dass ich in dem Fall einfach auf die Reform der Reform warte.

 

Lars Bargmann