Wenn man anfängt, sich für die Todesanzeigen zu interessieren, wird man alt. Neulich habe ich mich dabei ertappt. Ich lese Todesanzeigen. Es kam schleichend. Und jetzt üben diese traurigen Seiten in der Tageszeitung eine dunkle Faszination auf mich aus.

Meine Sorgen
Wissen Sie, was ein ähnliches Anzeichen dafür ist, dass man älter wird? Dass man sich plötzlich für den Abspann von Filmen interessiert. Früher konnte ich kaum nachvollziehen, warum überhaupt diese ellenlangen Listen am Ende gezeigt wurden. Am liebsten hätte ich im Kino da jedes Mal laut „Langweilig!“ gerufen. Jetzt aber studiere ich diese Aneinanderreihung von Namen aus zwei Gründen. Zum einen aus demselben Grund wie bei den Todesanzeigen: Kenne ich jemanden? Hier wäre das immerhin mit einem positiven Effekt verbunden – ist vielleicht einer meiner Bekannten berühmt geworden? Und zweitens interessiere ich mich nach langen Diskussionsabenden mit meiner Frau, die sich um die Frage drehten, wie unsere Kinder heißen sollen, inzwischen einfach für die vielfältige Welt der Vornamen. Wer mag, darf jetzt aufstehen und „Langweilig!“ rufen.

Neulich habe ich mich dann kurz gefreut. Beim Durchblättern einer Zeitschrift kam mir endlich mal ein Name bekannt vor. Der des Autors. Dann ertappte ich mich dabei, wie ich im chilli blätterte. Wie gesagt. Ich werde alt.

Text: Felix Holm