Sex sells. Wie wahr diese Binsenweisheit ist, zeigt sich schon daran, dass Sie – lassen Sie uns ehrlich sein – diesen Artikel gerade nur deswegen lesen, weil er mit dem Wort „Sex“ beginnt. Schließlich lässt uns das Signalwort auf schlüpfrige Details und intime Bekenntnisse hoffen – und wen interessieren die nicht?

Doch so gern wir auch erotische Geschichten lesen, so ungern lassen wir uns dabei erwischen. Zwar würden wir uns im Wartezimmer gerne die „Zehn Wege zum Super-Orgasmus“ von einer Frauenzeitschrift erklären lassen, blättern wegen unseres neugierigen Sitznachbarn aber schnell zu den Kochrezepten.

Sorgen
Auch den Verlagen ist nicht entgangen, dass wir einschlägige Literatur in ein unschuldiges Mäntelchen verpackt bevorzugen und so prangt statt des Signalwortes selbst meist ein unschuldiges Synonym auf dem Cover: „Die Geschichte der O“, „Fesselnde Liebe“ oder „Shades of Grey“ sind Titel, die einem in der Straßenbahn nicht die Schamesröte ins Gesicht treiben, die aber alle dasselbe versprechen – Sex pur zwischen zwei Buchdeckeln.

70 Millionen verkaufte „Shades of Grey“-Exemplare lassen keinen Zweifel daran, dass dieser Trick funktioniert. Und wenn ein Softporno mit diesem Titel Verkaufszahlen erreicht, die man sonst nur von Zauberlehrlings- oder Vampirromanen kennt, dann lässt es sich auch das Merchandising nicht nehmen, gleich eine ganze Kollektion auf den Markt zu werfen mit „Shades of Grey“-Unterwäsche, -Grußkarten, -Schmuck, -Duschgel … Alles Artikel mit dem unausgesprochenen Versprechen: Wo „Shades of Grey“ draufsteht, ist Sex drin.

Umso größer meine Enttäuschung, als ich den Deckel des Partyspiels aus eben dieser Kollektion öffne und statt Peitsche, Handschellen & Co. lediglich ein paar Fragekarten vorfinde à la „Welche Freundin errötet, wenn Sie angebaggert wird?“ Ein Partyspiel, das ebenso enttäuscht wie dieser Artikel – denn haben Sie jetzt schlüpfrige Details und intime Bekenntnisse erfahren? Eben.

Text: Tanja Bruckert