Kritik ist unangenehm. Vor allem, wenn das Timing nicht stimmt. Beispiel: Vor dem Kauf der Freundin sagen, dass ihr der türkisgrüne Pulli nicht steht, ist konstruktiv. Sobald das Geld den Besitzer gewechselt hat, ist es blöd. Und zwar für die Beziehung. Und nein, liebe Männer, dass der Pulli vom Flohmarkt nur zwei Euro gekostet hat, ändert nichts.

 

Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Warum erzählt mir die Autorin das? Vielleicht denken Sie, meine Beziehungsprobleme haben mit Ihnen überhaupt nichts zu tun. Da haben Sie Recht – allerdings nur begrenzt. Denn Ihnen ergeht es gerade genauso. Mehr als 5000 Menschen üben derzeit mit einer Online-Petition Kritik an etwas, für das Sie und ich seit zehn Jahren mit unserem Steuergeld bezahlen. ln die Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge. Das Geld wurde in Workshops und Vorträge investiert, in einen Architektenwettbewerb, Fachgutachten und mehrere Planänderungen.

 

Anscheinend haben manche danach bemerkt, dass ihnen ihr Kauf doch nicht so gefällt, ihnen das gute Stück nicht grün genug ist oder einfach zu heiß für den Sommer. Trotzdem: Jeder hatte seine Chance mitzureden. Jetzt haben wir dafür gezahlt – auch wenn es nur eine Anzahlung war –, und deshalb kommt jede Kritik zu spät. Also, wie wär’s, wenn die lieben Kritiker statt Petitionen zu unterzeichnen, lieber mal ihren Partner auf den Flohmarkt begleiten?

 

Text: Tanja Bruckert