Das Prinzip von Kleinanzeigen ist nicht schwer zu verstehen. Ein Mensch sucht etwas, das jemand anderes ihm bieten kann – sei es eine Beziehung, einen Job oder ein Ecksofa.

 

Dass man dieses Prinzip trotzdem vollkommen missverstehen kann, wird einem klar, wenn man zu Recherchezwecken undercover unter die Spargel-Ernter gehen will. „Studentin sucht Job beim Spargelstechen“ lässt sich anscheinend auf vielerlei Arten interpretieren. Für einen gewissen Mario, der sich per SMS meldet, gehört diese Jobanfrage eindeutig in den erotischen Bereich, und auch Kai würde für eine Sexbeziehung 3000 Euro im Monat springen lassen – jaja, Spargelstechen, hihihi.

 

Das Problem hört bei Kleinanzeigen nicht auf: Frau sagt das eine, Mann versteht das andere – ein Problem, so alt wie die Menschheit. Frau sagt: Bring den Müll runter, Mann versteht: Bleib auf der Couch sitzen und schau noch gemütlich das Fußballspiel fertig.

 

Wer denkt, jeder Mensch sei ein Individuum mit seinen ganz eigenen Problemen, kann sich bei Mario Barth, Caveman oder dem Mädelsabend in der Kneipe eines Besseren belehren lassen. Die platten Klischees funktionieren, weil sie leider so oft stimmen.

 

Emanzipation, Frauenquote, Vaterzeit – all das wird daran nichts ändern. Schließlich würde keine Frau auf die Idee kommen, dem „handwerklich geschickten Allrounder für Haus und Garten“, der in den Kleinanzeigen einen Job sucht, zu schreiben: Na Süßer, willst du nicht mal bei mir Hand anlegen, hihihi.

 

Text: tbr