Lieber Türsteher,
vielleicht sollte ich deine Fixierung auf Äußerlichkeiten als Berufskrankheit durchgehen lassen. Möglicherweise stand ja bereits in der Ausschreibung für deine Stelle festgeschrieben: „Ländliche Großraumdisko sucht schlageraffinen Türsteher, dem rote Fliegen stehen und der nach rein optischen Gesichtspunkten die Spreu vom Weizen trennt.“

Sorgen
Aber auch wenn man es in deinem Beruf sicherlich schnell vergisst – sei so nett und denke bei meinem nächsten Besuch doch bitte daran, dass ein etwas verschrammtes Äußeres und das Fehlen von Markenaufdrucken oder modischen Highlights nichts über die inneren Werte aussagen.

Und bevor wir uns falsch verstehen: Ich spreche hier nicht von mir. Gemeint ist mein Handy. Jenes Handy, das du vor einigen Wochen zum Tode verurteilen wolltest, nur weil kein angebissener Apfel auf der Rückseite prangt, weil es noch nie ein Foto geschossen hat und nicht weiß, was eine App ist.

Wenn also das nächste Mal jemand ein gefundenes Handy bei dir abgeben möchte, das nicht hundertprozentig deinen Schönheitsidealen entspricht, dann wirst du demjenigen bitteschön nicht mehr empfehlen, es wegzuschmeißen. Du wirst es schön zu den Fundsachen legen. Schließlich bist du kein Jurymitglied, das entscheidet, welches Fundstück schön genug ist, um entdeckt zu werden. Wir sind hier nicht bei Germanys next Top- handy!

Lass dir gesagt sein: Im Inneren steckt oft mehr, als der erste Blick vermuten lässt. Das ist bei der Lasagne so, beim Futtermais und eben auch beim Handy. Vielleicht überdenkst du deine „Ey, du kommst hier nicht rein“-Mentalität daher noch mal – zumindest was die Fundkiste angeht.

Hochachtungsvoll, die Handy-Besitzerin