Was tun, wenn aus dem Nichts plötzlich ernsthafte Konkurrenz auftaucht? Oder in dem Fall: Wenn aus dem Nichts plötzlich ernsthafte Konferenz auftaucht? Wer in den vergangenen Wochen – so wie der Schreiber dieser Zeilen – Pressekonferenzen in und um Freiburg verfolgt hat, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es derzeit in der Breisgau-Metropole schick ist, sich öffentlich aufzuregen. Oder zumindest dazu anzuregen, sich aufzuregen.

Sorgen
Da war ein Christian Streich, der sich über die Berater seiner Spieler echauffierte und gar den Vergleich mit einem „Viehmarkt“ bemühte, auf dem die Kicker angeboten würden. Auch eine Unmutsbekundung über die Arbeit des ehemaligen Sportchefs Dirk Dufner war in der Folge zwischen den Zeilen aus dem streich‘schen Grummelwald zu vernehmen.

Da war die Freiburger Rathausspitze, die in Person der Bürgermeister Neideck und Salomon verkündete, dass unter Umständen demnächst Zwangsenteignungen auf der Freiburger Gemarkung zu erwarten wären. Nämlich dann, wenn die Stadtverwaltung sich entschlossen hat, wo sie bald mal einen neuen Stadtteil bauen möchte und dann die dafür nötigen Grundstücke zusammenkaufen wird. Man darf gespannt sein, wann die ersten Bauern zu wilden Protestkundgebungen aufrufen.

Und da waren die Hoteliers, die im Rahmen einer Pressekonferenz gleich im doppelten Dutzend gegen die geplante Bettensteuer und gegen die Stadtoberen wetterten.
„Aber Herr Journalist“, mag der geneigte Zeitungsleser jetzt sagen, „das ist doch gerade für Sie ein Grund zur Freude – so viel Zoff bedeutet doch viel Schreibstoff.“ Ja. Aber was bitte passiert mit dieser Kolumne, wenn jetzt jeder anfängt, sich öffentlich über etwas aufzuregen? Vielleicht sollte ich dazu eine Pressekonferenz einberufen …

Text: Felix Holm