Coming Out

Genau wie Thomas Hitzelsperger stehe ich auf Männer. Das zuzugeben ist jetzt nicht einfach. Doch ich spiele kein Fußball, weshalb sich die mediale Resonanz meines Outings hoffentlich im Rahmen halten wird.

 

Klar, in meiner Familie hat mein Bekenntnis natürlich hohe Wellen geschlagen. „Oh Gott, Kind!“, rang meine Mutter um Fassung. „Willst du damit sagen, dass du tatsächlich … mit einem Mann?!“ Es hätte sie eigentlich nicht so überraschen dürfen, ich habe bereits als Kind lieber mit Puppen als mit Bauklötzen gespielt. Im Alter von sieben Jahren hatte sie mich erwischt, wie ich ihren Lippenstift benutzt habe und auf ihren High Heels durch die Wohnung stolziert bin.

Sorgen5

 

Wenigstens meine Freunde verstehen mich. Neulich haben sie mich in die „Sonderbar“ mitgenommen, in der homo- und heterosexuelle Paare einträchtig nebeneinander getanzt und geflirtet haben.

 

Doch niemand kann meine Situation so gut nachvollziehen wie ein alter Schulfreund von mir, der jetzt in Köln wohnt. Er weiß, wie es sich anfühlt, einer Minderheit anzugehören. Und dennoch steht er öffentlich zu seiner Heterosexualität – selbst an Karneval, wenn er nur von Piloten und Kapitänen umringt wird.

 

Zumindest in Baden-Württemberg soll jetzt die „Akzeptanz für sexuelle Vielfalt“ in den Bildungsplan aufgenommen werden. Auch wenn hunderttausende Gegner mit einer Petition ihre Engstirnigkeit bewiesen haben – vielleicht lässt sich ja bei der aufwachsenden Generation erreichen, dass die Frage nach lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell oder heterosexuell einfach keine Rolle mehr spielt. Einen Erfolg würden wir erst dann erkennen, wenn die sexuelle Orientierung eines Sportlers, Politikers oder einer Journalistin keinen Artikel mehr wert ist.

 

Text: Tanja Bruckert