Nur her mit der Herdprämie

Die „Herdprämie“ – ein schöner Anfang, aber sie genügt nicht. Warum sollen nur Frauen zu Hause bleiben? Ambroce Bierce soll einmal gesagt haben: „Die meisten Probleme entstehen dadurch, dass die Menschen einfach nicht zu Hause bleiben können.“


Recht hat er. Wir brauchen eine Sofaprämie. Extrem-Couching muss Trend-Sport werden. Die Bundesregierung möge beschließen: Für jeden Tag, den man ausschließlich zu Hause verbringt, gibt’s einen Hunni. Da kann man sich ein monatliches Grundgehalt von 3000 Euro absitzen. Die ganzen Diskussionen über Mindestlohn, Hartz IV oder Armutsschere könnte man sich sparen.

Lärmbelästigung durch Autos und Straßenmusik wäre passé, der Umwelt ginge es besser, die Kriminalität ginge zurück, weil der Taschendieb mehr Kohle macht, wenn er zu Hause bleibt. Fürs allgemeine Zuhausebleiben sollte man mal demonstrieren. Das ist eine Forderung, dafür könnt´ ich glatt auf die Straße gehen. Selbst die eheliche Moral würde gestärkt. Wie sollte man fremdgehen, ohne auszugehen? Fremd ohne Aus geht nicht.

Der technische Fortschritt hat uns doch endlich in die glückliche Lage versetzt, alles von zu Hause aus zu regeln: Arbeiten über Computer, Nahrung und Gebrauchsgegenstände online bestellen, das Gemüse auf dem Balkon ziehen, dafür noch EU-Subventionen kassieren, Besprechungen macht man im Chatroom, Freundschaften pflegt man übers Gesichtsbuch, seinen Körper stählt man mit Fitnessprogrammen vor dem Bildschirm und Sex über Skype ist sowieso safer. Selbst Schuhe kann man sich online bei Sandalandro oder sonst wo bestellen. Aber wozu Schuhe, wenn man eh nicht rausgeht? Egal. Schuhe sind ja nicht zum Benutzen, Schuhe hat man. Überprüft werden die prämiengeilen Stubenhocker durch elektronische Fußfesseln.

Alles machbar. Und falls man doch mal auf die Schnelle Zigaretten oder Bier braucht, schickt man die verschleierte und somit unerkannte muslimische Nachbarin. Das fördert die Völkerverständigung. Auf den verwaisten leeren Straßenschluchten grüßen sich nur noch freundlich einsame Kurierdienst-Biker, Pizza-Bring-Dienst-Mopedler und über die Sinnlosigkeit depressiv gewordene Straßenkehrer und Verkehrspolizisten. Denn selbst die eigenen Kinder und Jugendlichen hat man der Prämie wegen von der Straße geholt, indem man sie zu Hause vor die Ballerspiele schnallt, und wer seine Tochter in den Keller sperrt, erhält zusätzlich noch eine Fritzl-Prämie.

Eine besonders scharfe – auf dem Prämien-Herd gekochte – Chilli-Schote für unsere Familienpolitiker.

Volkmar Staub, Kabarettist,
geboren in Lörrach, lebendig in Berlin, vergibt die chilli-Schote am Bande.


Foto: Privat