Oh dieser Gauckler der Freiheit

Hallelujah, die Evangelen kommen. Nach der protestantischen Pfarrerstochter aus Meckpomm im Kanzleramt jetzt auch noch ein evangelischer Pfarrer im Schloss Bellevue. Wenn jetzt die Margot Käsmann noch ins Bundestagspräsidium wechselt und der evangelische Ex-Bischof Huber die Fußball-Nationalmannschaft übernimmt, sind wir zügig auf dem Weg in den evangelischen Gottesstaat.

Was mich an diesen hundertprozentigen Evangolen immer etwas nervt, das ist ihr erlöstes Dauergrinsen. Immer diese Attitüde „Durch den Tod Jesu bin ich sowieso immer erlöst, ich kann machen, was ich will, Ihr könnt mir gar nix, ätsch!“ Das hat so was besserwisserisch Eitles und Arrogantes.
Beim Gauck speziell geht mir sein permanentes Pathos der Freiheit auf die Nüsse. Wenn ich ihn reden höre, zieht‘s mich immer so im Kreuz. Wer immer nur die Freiheit hochhält, beweist, dass er von der abendländischen Aufklärung jetzt aber auch mal gar nix verstanden hat. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die drei Begriffe machen nur in ihrer Dreieinigkeit einen Sinn. Aber er, der Gauckler der Freiheit, schielt immer nur auf diese. Bei diesem Besser-Ossi hab ich das Gefühl, er meint: Wenn man die Freiheit wirklich will, schafft man alles.

Es gibt ja die schöne Anekdote, dass der Papst, Jesus und Gauck eine Bootstour auf dem Titisee unternommen haben. Der Papst quasselt und quasselt. Jesus geht‘s als Erstem auf den Sack, er steigt aus, läuft übers Wasser und legt sich an den Strand. Zehn Minuten später wird das Papstgeseiere auch dem Gauck zu viel, er steigt ebenfalls aus, läuft übers Wasser und legt sich neben Jesus an den Strand. Eine Viertelstunde später merkt der Papst, dass er alleine vor sich hinsabbelt, will ebenfalls aussteigen und zu den anderen übers Wasser ans Ufer laufen. Die beiden sehen, wie er aussteigt, sofort untergeht und ersäuft. Jesus sagt zu Gauck: „Vielleicht hätten wir ihm doch sagen sollen, wo unter der Wasseroberfläche die Holzpfähle stehen.“ Gauck schaut Jesus verdutzt an und sagt: „Welche Holzpfähle?“

In aller Freiheit und Verantwortung: Eine scharfe Schote ins Bellevue!

Volkmar Staub, Kabarettist, geboren in Lörrach, lebendig in Berlin,
vergibt die chilli-Schote am Bande.