Heute: Koalitionsverhandlungen

Endlich Koalitionsverhandlungen. Und ich war dabei. Ich bin die NSA unter den Verhandlungsbeobachtern. Die NSA selber wollte das nicht überwachen – die hatten nicht genug Aufputschmittel. Schade, dass sie es nicht trotzdem gemacht haben. Vielleicht wären sie bei der Beobachtung der Verhandlungen eingeschlafen und nie mehr aufgewacht.

 

Jetzt muss ich das machen. Und man muss ja unterscheiden zwischen Sondierung und Verhandlung. Die Sondierung ist das Candle-Light-Dinner des politischen Flirts, die Verhandlungen sind das Vorspiel. Ringelpiez mit Anfassen. Das sind die beiden Stufen des Kennenlernens, die Boris Becker immer übersprungen hat – wie er selbst auch erst aus seinem eigenen Buch erfahren hat.

FlorianSchroeder

 

Nun verhandeln also CDU und SPD. Nach außen tut die SPD ja immer so, als wolle sie auf Augenhöhe mitspielen. Aber hinter verschlossenen Türen ist davon nix zu merken. Die SPD hat Angst. Angst vor der Kanzlerin, Angst vor der Koalition, Angst vor allem. Die große Gefahr ist, dass sie von der Kanzlerin wegumarmt wird. Das kann sie besonders gut. Sie tötet nicht durch Dolchstoß, sondern durch Umarmung. In der SPD befürchtet man, dass sie selbst den dicken Gabriel mit einer Umarmung auf Trittin-Niveau runterumarmen könnte.

 

SPD-Leute haben mir gesagt: Man spricht ja in der SPD auch nicht von Koalitionsverhandlungen, sondern von der Audienz bei der Schwarzen Witwe.

 

Die SPD ist jetzt in der Zwickmühle: Sie weiß, dass ihre Stunde in vier Jahren schlagen wird. Denn die Kanzlerin wird nicht mehr antreten. Sie wird in vier Jahren gehen, wird sagen: „So Kinder, das war‘s. Ich gehe nach Hause.“

 

Pofalla wird sagen, „Sie geht nach Hause, kommt alle mit!“, und der ganze Club wird wie die Entenfamilie hinter ihr herlaufen. Es wird keiner mehr da sein, die CDU wird in die größte Krise ihrer Geschichte stürzen – und dann schlägt die Stunde der SPD.

 

Das Wichtigste an den ersten Gesprächen waren die Treffpunkte. Das erste Treffen der Verhandlungen war in der CDU-Zentrale, das zweite bei der SPD und das Dritte dann in der bayerischen Landesvertretung. Da kam schon mal die Frage auf: Und wo blieb da der Inhalt? Darauf antwortete die Kanzlerin: Inhalte werde ich persönlich zu verhindern wissen.

 

 

Florian Schroeder, Kabarettist, studierte in Freiburg, lebt in Berlin und vergibt die chilli-Schote am goldenen Band.

 

Foto: Privat