Die Welt ist ein Durcheinandertal. Das Jahr ist noch so jung – und schon so viel passiert. McAllister weg, Frau Schavan weg, der Papst weg. Als Benedetto seinen Rücktritt ankündigte, dachte ich im ersten Moment noch, oje, hat der Ratzi damals seine Doktorarbeit auch abgeschrieben? Aber nein, ihm hat nach all dem sauren Wein, der in den letzten Jahren im Weinberg des Herrn gekeltert wurde, als Erntehelfer die Kraft gefehlt. Va Bene!

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Und es geht gleich weiter: Trotz Steinbrück gewinnt ein Sozialdemokrat knapp in Niedersachsen, Clownswahlen in Italien, bei den Banken redet man von Deckelung der Boni, in Frankreich redet man von Mali und marschiert ein. Bio-Eier werden jetzt auch in Legebatterien produziert, in Holland tritt ein Pferd ab und Beatrix ist in der Lasagne, stopp, umgekehrt.

So kamen die Billigfleischesser auch mal zu einer Delikatesse. Geiz ist Gaul. In Frankreich etwa gilt unter Gourmets ein gut abgehangenes Pferdesteak als Leckerei. Vielleicht ist der Lasagne-Skandal ja auch ein geheim gehaltenes Projekt von Frau Aigner, um auch Geringverdiener an gehobene Lebensmittel heranzuführen. Man könnte es auch Anfüttern nennen. Es sollen sogar im Billig-Prosecco Spuren von Champagner gefunden worden sein. Vielleicht produziert der industrielle Nahrungskomplex Fischstäbchen demnächst nur noch aus Seeteufelfleisch.

Und ich habe dieses Jahr auch schon ein neues Wort gelernt: Fracking. Da dachte ich im ersten Moment, es sei von einem Dresscode bei irgendeiner Gala die Rede, aber nein, man will mit Fracking Gas aus tiefen Gesteinsschichten gewinnen, durch Aufbrechen der geologischen Strukturen. Altmeier und Rösler haben sich sogar auf niedrigem Niveau geeinigt. Frack schlägt sich, Frack verträgt sich.

Vielleicht könnte man auch andere realpolitische Projekte durch „fracking“ und neu zusammenfügen retten: Die Elb-Wenig-Harmonie in Hamburg, den neuen Bahnhof in Stuttgart und den Flughafen in Berlin. Man muss das zusammendenken: In der Elbphilharmonie verhängt man von 0 bis 6 Uhr morgens ein Nachtaufführungsverbot, Stuttgart 21 unterzieht man einem kompletten Streichkonzert und die Start- und Landebahnen in Berlin baut man unterirdisch, dann kann man lärmgedämpft die ganze Nacht fliegen.

Eine Chilli für unsere schärfsten Realpolitiker im Durcheinandertal.
Herzlichst Volkmar Staub


Volkmar Staub, Kabarettist,
geboren in Lörrach, lebendig in
Berlin, vergibt die chilli-Schote
am Bande.


Foto: Privat