Im Februar, dem ungemütlichsten aller Monate, wird die Bundeshauptstadt zum Hollywood Europas, zum Treffpunkt von Cineasten, Stars und Sternchen, etablierten und Nachwuchsregisseuren – und auch der chilli-Kolumnistin. Und die heißt sogar Fritzi Berlin.

Bewaffnet mit den ersten Online-Tickets und einer handfesten Bronchitis ging es nach Berlin und startete dann sogleich höchst tragisch: Weil ausdauerndes Anstehen mehr Ticketerfolg verspricht, als der mühsame Onlinekartenerwerb, war die erste Station nach Ankunft der Potsdamer Platz. Hier gibt es die Karten für die etwa 400 Filme, hier steht auch der Berlinale-Palast, wo sich die Stars auf dem roten Teppich tummeln. An diesem Abend tummelte sich dort Jude Law. JUDE LAW! Der live noch viel besser aussieht, als auf der Leinwand – das wurde mir zumindest berichtet, denn ich hatte mich mit Lindenblütentee, Hustenpastillen und vietnamesischer Hühnersuppe nochmal ins Hotelbett verabschiedet. Und Jude Law verpasst!

Einer der großen Stars auf der Berlinale: Jude Law. Foto: dapd/Ronny Hartmann

Einer der großen Stars auf der Berlinale: Jude Law. Foto: dapd/Ronny Hartmann

 

Am Abend dann der erste Film: „Meine Schwestern“ von Lars Kraume mit einer großartigen Nina Kunzendorf. Gut! Über „La Piscina“ vom kubanischen Nachwuchsregisseur Carlos M Quintela sei dagegen der Mantel des Schweigens gebreitet. Schwer nachvollziehbar war auch der chinesische Liebesfilm „Tian Mi Mi“ über viele Liebespaare und eine harmonische Trennung. Großartig dagegen die mexikanische Tragikkomödie „Workers“, in der ein Hund ein Haus erbt und ein illegaler Arbeiter von seiner Firma das großzügige Angebot erhält, nach dreißig Jahren Dienst zwar nicht die ihm zustehende Pension zu bekommen, aber unbehelligt weiterarbeiten zu dürfen.

 

Während des sehr berührenden Wettbewerbsbeitrags „An Episode in the Life of an Iron Picker“, der den großen Preis der Jury gewonnen hat, erfolgte auch eine kleine Entschädigung für Jude Law: Im Haus der Berliner Festspiele saß, nur wenige Sitze entfernt, Katja Riemann und schaute sich ebenfalls den Film an. Keine Hollywoodgröße okay, aber immerhin eine meiner deutschen Lieblingsschauspielerinnen.

Die Berlinalebilanz? Sieben Filme in drei Tagen, dreieinhalb Päckchen Hustenbonbons und mindestens fünf Liter vietnamesische Hühnernudelsuppe. Überhaupt: Was Berlin Freiburg voraus hat, sind neben dem großartigsten aller Filmfestivals vor allem die vielen Vietnamesen, die zumindest im Ostteil der Stadt per Nachtverkauf die Rundumversorgung sichern und in unzähligen Restaurants leckerstes und gesundes Wellfood anbieten. Bei meinem Lieblingsvietnamesen „Si An“ soll kürzlich George Clooney aufgetaucht sein.  GEORGE CLOONEY! Gegen den kann sogar Jude Law abstinken!

Fritzi Berlin