Ganz und gar glückliches Gummibärchen

Sorgen? Hab ich nicht, kenn ich nicht. Zumindest nicht mehr seit letzter Woche, als ich beschlossen hatte, glücklicher zu werden und mich beim Stärkentraining der Uni Zürich angemeldet habe. Dessen These: Wer seine Charakterstärken trainiert, dem strahlt bald die Sonne aus dem Po.


Das Rezept für Glück ist simpel – man kämpfe sich durch zahlreiche Fragebogen, finde so seine Stärken heraus und trainiere diese täglich mit kleinen Übungen. Leider stellt sich schnell heraus, dass meine ganz persönliche Superkraft nicht wie erhofft ein alles und jeden bezwingender Charme, absolute Coolness oder etwa eine überragende Intelligenz ist, sondern meine Freundlichkeit.

Super! Wer kennt nicht die Geschichten, in denen Batman den Joker besiegt, indem er ihn auf eine Tasse Tee einlädt, in denen Tweety Kater Sylvester entkommt, weil er ihn hinter den Ohren krault oder James Bond den Bösewicht stellt, indem er nett zu dessen Frau ist – oh Moment, die gibt es tatsächlich.

Nichtsdestotrotz fange ich an, meine Stärke zu trainieren, um durch ein Maximum an Freundlichkeit zum rosaroten Glücksbärchen zu werden. Ich lächle im Schwimmbad dem sportlichen Überflieger zu – der meint, ohne Rücksicht auf Verluste rückenkraulend und spritzend durchs Wasser pflügen zu müssen – und wechsle glücklich alle zwei Minuten die Bahn. Meiner Freundin leihe ich meine Lieblings-DVD, wohl wissend diese nie wieder zu sehen, und kaufe mir am nächsten Tag glückselig eine neue. Meinem Freund überlasse ich in der gefühlt kältesten Woche des Jahres den Tiefgaragenstellplatz und schaufle Morgen für Morgen vor Glück strahlend mein Auto unter einer Schneehaube aus.

Freunde, die mich netterweise in meinem Streben nach Glück unterstützen wollen, buchen mich des Nachts für eine Fahrt an den Flughafen, lassen mich sodann ihren bissigen Kampfhund ausführen und ihre Wohnung inklusive tausendteiliger Porzellanfigurensammlung putzen.

Klar, dass ich mich bei so viel Unterstützung mittlerweile wirklich in ein glückliches Gummibärchen verwandelt habe. Ob die Überdosis Koffein aufgrund der schlaflosen Nächte oder das Morphin, das mir wegen der Hundebisse gespritzt wurde, auch etwas damit zu haben, lässt sich im Nachhinein leider schlecht beurteilen.

Info:
Wer auch so glücklich werden möchte wie ich, kann übrigens kostenlos unter staerkentraining.ch mitmachen.