Es ist ein Fall, den die Polizei Müllheim so noch nicht erlebt hat: Auf eine Zeitungsannonce für den Verkauf eines Tisches hin melden sich zwei angebliche Händler, die den Tisch zurücklassen, dafür aber mit dem Goldschmuck des Verkäuferehepaars im Wert von knapp 1000 Euro aus der Tür spazieren.

Helga-Solveig und Heinz-Peter Kern.
Einige Zentimeter machen manchmal den Unterschied. Vor rund zwei Jahren haben sich Helga-Solveig und Heinz-Peter Kern einen massiven Esstisch aus Kernbuche gekauft. Erst als der Tisch steht, merken sie, dass er kaum noch Platz lässt, um ins Wohnzimmer zu kommen. Das Ehepaar beschließt, den Tisch gegen eine kleinere Version zu tauschen und will den alten mithilfe einer Anzeige in einer Regionalzeitung für die Hälfte des Neupreises verkaufen. „Wir haben uns gesagt, lieber weg mit Schaden, als uns ewig über diesen Tisch zu ärgern. Dass der Schaden allerdings so groß sein würde, haben wir nicht geahnt“, erzählt die 68-Jährige.

Denn die beiden Männer, die sich melden, haben – wie sich später herausstellt – wenig Interesse an dem Möbelstück. „Wir hätten stutzig werden sollen, als sie sich den Tisch kaum angeschaut haben, sondern ihn ohne Verhandlungen nehmen wollten“, ärgert sich Heinz-Peter Kern. Stattdessen fragen die Männer nach Altgold und weiteren Möbeln. Die beiden Rentner zeigen ihnen einen Schreibtisch, eine alte Schreibmaschine, die Pelzmäntel und den Goldschmuck von Helga-Solveig Kerns Mutter – alles Sachen, für die sie keine Verwendung mehr haben. Die beiden südländisch aussehenden Männer, die sich als Händler ausgeben, bieten gute Preise und versprechen am kommenden Tag mit einem Möbelwagen wiederzukommen.

Die Anzeige.
Den Goldschmuck nehmen sie zum Schätzen mit – es soll jedoch das letzte Mal sein, dass Helga-Solveig Kern die Ketten ihrer Mutter sieht. „Kaum waren die beiden aus der Tür, war mir klar: Da ist etwas nicht in Ordnung“, meint sie rückblickend. „Jetzt ist es mir schrecklich peinlich, dass wir zugelassen haben, dass man uns so übers Ohr haut.“ Schwer gemacht hat es das Ehepaar Kern den Betrügern tatsächlich nicht – im Nachhinein bereuen sie, dass sie weder einen Ausweis noch eine Anzahlung gefordert haben.

Laut Daniel Haas, Pressesprecher der Polizei Müllheim, hätte das nicht viel gebracht. Er warnt generell vor Geschäften an der Haustür. „Bei Wertgegenständen wie Gold, Schmuck oder Antiquitäten ist höchste Vorsicht geboten“, so der Experte, „diese sollte man keinem Fremden zeigen.“ Wer jedoch weniger wertvolle Sachen per Kleinanzeige verkaufen will, braucht keine Angst zu haben – der Polizei Müllheim ist in den vergangenen Jahren kein einziger ähnlicher Fall untergekommen.

Text & Foto: Tanja Bruckert