ProDoc fordert mehr Rechte für Doktoranden

An der Freiburger Uni schreiben zurzeit etwa 2500 Menschen ihre Doktorarbeit. Wie viele es genau sind, weiß niemand, denn erst seit wenigen Jahren müssen sie sich registrieren. Dementsprechend dürftig fallen ihre Rechte aus. Das neue Hochschulgesetz könnte daran etwas ändern – und ein engagierter Verband namens ProDoc.

 

Wenn Judith Praßer von ihrer Promotion redet, gerät sie ins Schwärmen. „Ein Traum-Thema“ sei das gewesen, eine Sache, in die sie sich richtig schön reingraben konnte. Praßer, 29, hat ihre Doktorarbeit über „Identitätsfindung in deutscher Gegenwartsliteratur“ gerade abgegeben. „Ich bin an der Uni immer sehr zufrieden gewesen“, sagt sie, schiebt aber einen kleinen Satz hinterher: „Für alle Doktoranden gilt das nicht. Und denen möchten wir eine Stimme geben.“

Zwei Frauen, ein Ziel: Sarah Eilers (links) und Juith Praßer.

 

Doktoranden sind alle, die an der Uni promovieren. Und das sind aktuell laut Rektorat 2535. Ob das die Realität abbildet, weiß aber niemand, denn erst seit 2010 werden die künftigen Doktoren zentral erfasst. Überhaupt ist die Gruppe sehr uneinheitlich: Manche sind an ihrer Fakultät angestellt, andere schlagen sich mit Teilzeit-Jobs oder Stipendien durch. „Es ist sehr schwer, einen Überblick zu bekommen“, sagt Praßer. Versuchen will sie es trotzdem: Praßer engagiert sich bei ProDoc, einem Verband, der sich für die Belange von Doktoranden in Freiburg einsetzt.

 

ProDoc will nichts Revolutionäres, weshalb die Gruppe im Rektorat gerne gesehen ist. „Das größte Problem für Doktoranden ist die starke Abhängigkeit von ihrem Betreuer“, sagt Sarah Eilers, 28, die in Erziehungswissenschaft promoviert. „Ich habe ein Super-Verhältnis zu meinem Betreuer“, betont sie, „aber ich kenne Leute, die ihre Promotion abgebrochen haben, weil es menschlich nicht funktionierte.“ Ein anderes Beispiel: „Von einem Doktoranden ist der Betreuer unerwartet verstorben“, erzählt Eilers. „Niemand fühlte sich danach für ihn zuständig, er hing total in der Luft.“

 

Wirklich neu ist dieses Phänomen freilich nicht. Schon immer gab es Professoren, die Abschlussarbeiten gerne betreuen – und solche, die wenig Lust darauf haben. Aber: „Noch nie gab es so viele Studierende und Doktoranden wie heute. Vielen Professoren fehlt die Zeit.“ Die Forderung von ProDoc: einheitliche Regelungen. „Wir haben im Rektorat gefragt, ob man ein Recht darauf hat, den Betreuer zu wechseln“, erzählt Praßer. „Die Verantwortlichen sind uns aber ausgewichen.“

 

Auch das chilli hat nachgehakt. „Zum Betreuerwechsel gibt es in den Promotionsordnungen keine Regelung, es sind immer Einzelfallentscheidungen“, sagt Vizerektor Gunther Neuhaus. Insgesamt unterstütze das Rektorat aber die Forderung von ProDoc, sich mehr Gehör zu verschaffen. So sei etwa ProDoc-Mitgründer Andreas Hartmann (inzwischen Doktor) ein Sonderpreis für sein Engagement verliehen worden. „Auch dies zeigt, dass das Rektorat die Arbeit dieser Initiative außerordentlich wertschätzt“, sagt Neuhaus.

 

Die gute Nachricht: In Zukunft werden Doktoranden und ihre Betreuer gemeinsam eine „Promotionsvereinbarung“ unterzeichnen, in der Rechte und Pflichten festgehalten werden – so sieht es das neue Landeshochschulgesetz vor, das im April in Kraft getreten ist. Die Vereinbarungen sollen auch Regelungen für Streitfälle enthalten. „Die Universität erarbeitet hierzu Vorlagen, die in Kürze vorliegen werden“, so Neuhaus.

 

Bleibt nur ein Problem, das ProDoc aber selbst lösen muss: die Gewinnung von Mitstreitern. „Bisher haben wir etwa 12 aktive Mitglieder“, sagt Judith Praßer. „Das ist noch ausbaufähig.“

 

Text & Foto: Steve Przybilla