Stolz stellte die Universität Freiburg im vergangenen Oktober Bastian Eichenberger vor: ihren jüngsten Studenten aller Zeiten. Der 14-Jährige studiert mittlerweile im zweiten Semester Chemie. Ob er aber im Herbst sein drittes Semester angehen kann, ist fraglich: Noch hat der Hochbegabte die vorgeschriebene Eingangsklausur für die Laborarbeit nicht bestanden. Und auch rechtlich ist noch nicht alles geklärt: Denn aus Haftungsgründen dürfen Minderjährige gar nicht ins Labor. Es ist nicht die einzige Hürde, die ein Jugendlicher an einer Uni nehmen muss.


Auch zum Ende seines zweiten Semesters hin ist noch in der Schwebe, wie es für Bastian weitergehen wird: Ob er das Studienfach wechseln muss oder die Eingangsklausur beim dritten Versuch doch noch schafft. Aber selbst, wenn er bestehen würde, steht ihm momentan das Labor nicht offen. „Ich wusste das vor dem Studium nicht, sonst hätte ich etwas anderes gemacht“, sagt Bastian in Bezug auf die rechtlichen Hürden. „Wir haben geglaubt, alles geregelt zu haben“, so Uni-Pressesprecher Rudolf Dreier, „doch dann gab es Einspruch von der Unfallkasse Baden-Württemberg.“ Die Uni hat dem 14-Jährigen daher angeboten, ein anderes Praktikum vorzuziehen. Dreier zeigt sich zuversichtlich, dass sich das Problem noch lösen lässt, sollte Bastian die Klausur schaffen.

 

Falls nicht, wäre Biologie eine Alternative, mit der sich der junge Student anfreunden könnte, um über diesen Umweg später zur Biochemie zur wechseln. Denn später möchte er in die Forschung, Heilmittel entwickeln, Krankheiten bekämpfen. Die nächsten Jahre sind daher vorgezeichnet: Bachelorabschluss, Master, Doktortitel, vielleicht auch zwei. „Ein Doktortitel ist das Minimum, ohne ist man in der Wissenschaft ein Niemand“, sagt Bastian.

 

„Ich wäre lieber ein wenig dümmer.“ Für den 14-jährigen Bastian Eichenberger ist seine Begabung Segen und Fluch.

 

Doch auch einem Menschen, der mit zwei Jahren lesen kann, mit 13 das Abi macht und neun Sprachen spricht, scheint das Studium nicht einfach zuzufliegen. Bastian ist kein Einser-Student und brachte auch schon in der Schule nicht nur Top-Noten nach Hause. „Ich hasse Einsen!“, moniert der Hochbegabte. „Es geht doch nicht um die Note, sondern darum, alles verstanden zu haben.“

 

Auch sonst entspricht Bastian nicht dem Bild eines Nerds, der sich nur hinter seinen Büchern verschanzt. Er gibt Judokurse, weiß, wie man selbst Spaghetti macht, spielt Tennis und Golf. Er lernt, weil er wissbegierig ist, weil er die Studieninhalte spannend findet. Der erste Eindruck ist der eines offenen, sympathischen jungen Mannes.

 

Der dennoch keinen Anschluss findet. In den Vorlesungen sitzt er meist alleine. Wenn seine Kommilitonen danach einen Kaffee trinken, sitzt der Basler im Zug auf dem Weg nach Hause, wenn sie auf Partys gehen, liegt er bereits im Bett. Bastian hat sich damit abgefunden, dass er kaum Kontakt hat. Zu Schulzeiten sei es noch schlimmer gewesen: Bastian ist ein unglückliches Kind, in der Schule ist er unterfordert, seine Mitschüler hänseln ihn, mit sechs Jahren hat er Suizidgedanken. Die Eltern suchen nach einer Lösung und ziehen von der Schweiz nach Singapur. Bastian besucht dort eine Schule mit englischem und chinesischem Unterricht. Die Mentalität der Asiaten vermisst er immer noch: „Wenn jemand etwas gut kann, finden das die Leute dort cool und fördern einen. Hier heißt es nur: Was soll ich denn mit dem?“

 

Wie für viele Hochbegabte ist die Intelligenz für Bastian nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch. „Ich wäre lieber ein wenig dümmer“, gibt er unumwunden zu. Sein Studium wollte er nicht missen, selbst wenn er noch einmal von vorne anfangen muss. „Dann ist der Altersunterschied nicht mehr ganz so groß.“ Im Juli wird Bastian 15.

 

Text & Foto: Tanja Bruckert