An der Schwarzwaldstraße hat die Saisonvorbereitung begonnen. Und das gleich zwei Mal: Kurz vor Ebnet lassen die Kicker-Profis den Ball rollen, kurz hinter dem Alten Messplatz beginnen deren Fans, die Fahnen auszurollen. Im 2013 gegründeten Freiburger Fanprojekt hat man im ersten Jahr einiges erlebt und auch in der kommenden Runde wieder einiges vor, wie Diplom-Sozialarbeiter Dirk Grießbaum erklärt:

Heimspiel

„Wir machen hier Sozialarbeit mit jugendlichen und heranwachsenden Fußballfans. Das heißt, wir bauen Kontakt zu Fangruppen auf, schaffen ein Vertrauensverhältnis und sind Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Aber wir sind auch dafür da, den Fans mehr Stimme zu geben und dienen als Vermittler zwischen den Fans, dem Verein und der Polizei.

 

In unserem ersten Jahr haben wir uns hier gut eingelebt. Inzwischen treffen sich in unseren Räumen vor Heimspielen bis zu 150 junge, aktive Fans. Aber auch an anderen Tagen ist bei uns einiges los: Hier werden Choreografien vorbereitet, Fahnen oder Spruchbänder bemalt, es gibt Themenabende, an denen auch mit Fußballpromis diskutiert wird oder wir schauen auch einfach mal nur zusammen andere Fußballspiele auf Großleinwand an.

 

Zu welchem Fanclub man gehört, ist bei uns egal, keiner wird nach einem Mitgliedsausweis gefragt. Viele, die herkommen, sind in gar keiner Vereinigung. Das heißt allerdings nicht, dass hier alle immer einer Meinung sind: Wie es halt so ist unter jungen Leuten, gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten, etwa darüber wie angefeuert werden soll oder was überhaupt zur Fankultur gehört.

 

Von Auseinandersetzungen untereinander sind wir aber bislang verschont geblieben. Das einzige Mal, als es handgreiflich wurde, war, als knapp hundert gewaltbereite Nürnberg-Fans hier nach dem Spiel aufgetaucht sind. Die Geschichte ging ja aber schon genug durch die Presse.

 

Leider wird durch solche Aktionen auch die Freiburger Fanszene oft negativ dargestellt, dabei sind hier enorm viel positive Ressourcen vorhanden, die zu wenig geschätzt, gefördert und unterstützt werden. Manchmal habe ich den Eindruck, hier in der Stadt weiß man gar nicht, was man an seinen Fans hat.

 

Mit dem Trainingslager der Mannschaft beginnt auch für uns im Fanprojekt wieder die Saisonvorbereitung. Manche von den Jungs verknüpfen ja auch ihren eigenen Urlaub mit der Vorbereitung der Mannschaft in Österreich. Wir wollen in dieser Saison einen Schwerpunkt auf den Ausbau unseres U18-Programms legen und da noch mehr anbieten. Außerdem wird das Thema „Alkohol beim Fußball“ eine große Rolle spielen. Und ab Mitte Juli steht unsere Türe an der Schwarzwaldstraße wieder für alle offen.“

 

 
Aufgezeichnet von Felix Holm