HANDBALL. An diesem Samstagabend geriet Handball zur Nebensache. Ein Todesfall, ein Fehlalarm mit Evakuierung der Ludwig-Jahn-Halle, zwei fast viertelstündige Unterbrechungen, ein Krankenhausaufenthalt, die Frage nach einem Spielabbruch – das alte Derby zwischen der SG Köndringen-Teningen und der HSG Konstanz war ein denkwürdiges. Handball wurde hin und wieder auch gespielt. Die Gäste gewannen 28:18. Das Spielt in Text (Lars Bargmann) und Bildern (Achim Keller) auf chilli-freiburg.de

 

In der Nacht auf Samstag war der Vater des Teninger Nachwuchsspielers Chris Berchtenbreiter völlig überraschend an einem Herzinfarkt gestorben. Es wurde danach überlegt, die Partie abzusagen. Am Ende wurde gespielt – eigentlich aber spielten nur die Seehasen gegen die nach dem Ausfall von Berchtenbreiter noch weiter dezimierte Teninger Restmannschaft, bei der auf dem Spielbogen mittlerweile fünf Positionen mangels Personal unbesetzt blieben.

 

Der Konstanzer Keeper Patrick Glatt hielt sodann tief alles, und weil die Teninger alle Bälle zuverlässig tief warfen, stand es nach 16 Minuten 2:9. SG-Coach Ole Andersen versuchte mit einer Auszeit, die Reißlinie zu ziehen.  Nach dem 4:10 von Daniel Warmuth gingen plötzlich die Vorhänge zur Seite, die Hallenfenster öffneten sich, eine eindringliche Stimme vom Band schallte durchs Rund: “Achtung, Achtung, dies ist ein Räumungsalarm, bitte verlassen sie sofort das Gebäude.” Ratlose Spieler, ratlose Schiris, die 650 Fans erhoben sich und strömten zu den Ausgängen. Ein paar Minuten später kam die Teninger Feuerwehr mit zwei Einsatzfahrzeugen. Der Grund: In der Küche der Halle hatte ein offenbar suboptimal installierter Temperaturfühler einen Fehlalarm ausgelöst. Im Ofen war – Flammkuchen! Darüber konnten die Zuschauer zu dieser Zeit noch lachen.

 

Um 20.53 Uhr pfiffen die Referees in der mittlerweile kühlen Halle das Spiel wieder an. Keine zwei Minuten später setzte Warmuth zu einem Unterarmwurf an und knallte dabei in voller Wucht mit der Hand an ein Konstanzer Knie. Der folgende Schrei fuhr allen Hallenbesuchern durch Mark und Bein. Selbst der Konstanzer Coach Daniel Eblen hielt sich die Hände vors Gesicht. Deutlich länger als kurz zuvor auf die Feuerwehr wartet die Halle auf den Notarzt. Warmuth wälzte sich, er hatte sich das Daumenendgelenk ausgekugelt, eine offene Wunde klaffte, SG-Betreuer Manfred Chaumet kümmerte sich um ihn. Als Warmuth eine Viertelstunde später endlich auf einer Trage aus der Halle gerollt wurde, erhoben sich Einheimische wie Gäste und klatschen Beifall. “Gute Besserung Daniel”, sagte Hallensprecher Ralf Schöngarth durch. Es war 21:17 Uhr, eigentlich wäre das Spiel bereits beendet gewesen. Auf der Anzeigetafel stand die 19. Spielminute – wie eingefroren. Die Referees Tobias Biehler und Benjamin Discher telefonierten mit der spielleitenden Stelle, diskutierten über einen Abbruch. Die Konstanzer hätten trotz der hohen Führung sogar mitgemacht, am Ende pfiffen die Referees diese denkwürdige Partie aber wieder an. Um halb zehn gingen die Gäste mit einer völlig verdienten 14:6-Führung in die Katakomben, hatten längst nicht nur mit einer sehr hohen Passqualität geglänzt.

 

Der zweite Durchgang war vom numerischen Ergebnis (14:12 für Konstanz) her knapper, als es die Kräfteverhältnisse auf dem Feld es waren. Doch das ist an diesem Abend Nebensache. “Wir waren von der ersten bis zur letzten Minute chancenlos, aber das ist bei all den Vorfällen im Vorfeld und auch heute Abend völlig egal”, sagte Andersen nach dem Schlusspfiff im Kabinengang.

 

Gestern Morgen war Daniel Warmuth wieder zu Hause. “Es hätte schlimmer kommen können”, sagt er. In diesem Jahr wird der Spielmacher aber kein Spiel mehr bestreiten können. Er ist der sechste Langzeitverletzte seines Teams. Wenn die Hälfte des Kaders nicht auflaufen kann, kann man dann von einer Seuche sprechen? Die Fans tun es. Dem Vereinsvorsitzenden Markus Keune standen am Ende dieses denkwürdigen Tages tiefe Sorgenfalten ins Gesicht geschrieben.

 

Tore für die SG: Ehrler 5, Moser 1, Warmuth 1, Rösch 1, Bing 1, Sandu 5, Trodler 4/1.