Trainieren wann und wo man will, dafür in nur wenigen Wochen zur Traumfigur: Freeletics ist ein Fitnessprogramm mit großen Versprechungen und ohne Geräte. Die Sportler motivieren und messen sich per Fitness-App, facebook oder WhatsApp – nur das eigentliche Training findet im realen Leben statt. Auch in Freiburg finden sich immer mehr Freeletics-Anhänger zusammen, deren Ziel es ist, ihre Übungen immer schneller zu absolvieren. chilli-Redakteurin Tanja Bruckert hat es ausprobiert.

 

„Du wirst den Muskelkater deines Lebens haben“, kündigt Karoline Dombrowski vor dem Training an. Noch sitze ich mit der Gründerin der Freiburger Freeleticsgruppe entspannt auf der Tribüne im Unistadion, während neben der Tartanbahn bereits die ersten ihre Isomatten ausbreiten. Sehr sportlich sieht es momentan nicht aus: Wer eintrifft, konzentriert sich erstmal auf sein Smartphone.

Trainieren bis die Muskeln zittern: Karoline Dombrowski

 

Der Grund: Freeletics kommt aus dem Online-Bereich – über eine App wählt der Sportler ein Trainingsprogramm, das er so schnell wie möglich durchziehen muss. Die Trainingszeit wird von der App erfasst, sodass sich die Athleten mit anderen messen können. Zudem gibt es facebook-Gruppen zur gegenseitigen Motivation. Die „Freeletics Freiburg“-Gruppe hat es in einem Jahr auf 414 Mitglieder gebracht – fast täglich posten hier Menschen, tauschen Erfahrungen aus, weisen auf Challenges hin oder suchen Trainingspartner.

 

Doch Dombrowski war das nicht genug: Im Januar startete sie einen Aufruf für ein Gruppentraining. Am ersten Tag trainierten sie zu zweit, am Tag darauf zu dritt, drei Tage später waren sie bereits zu acht. „Nach einer Woche hatte ich gar keine Ruhe mehr auf dem Handy, ständig hat es vibriert und geklingelt“, erinnert sich die 34-Jährige.

 

Mittlerweile zählt ihre Gruppe, die sich über WhatsApp organisiert, 52 Mitglieder – und ist damit laut Dombrowski die größte und aktivste Gruppe Freiburgs. „Das Training ist für mich kein Pflichtprogramm, sondern Spaß“, schwärmt die Angestellte eines IT-Systemhauses, „ohne würde mir etwas fehlen.“

 

Der Spaßfaktor erschließt sich mir nicht sofort, als ich schweißüberströmt und mit brennenden Muskeln je 45 Burpees, Climber und Jumps absolviere, wie die Liegestütz- und Sprungvarianten im Free- leticsjargon heißen. Es ist noch eines der leichteren Work- outs – neben mir setzt einer der Athleten gerade zu 250 dieser Burpees genannten Liegestütz-Strecksprünge an.

Trainieren bis die Muskeln zittern: Karoline Dombrowski und ihre Freeletics-Gruppe.

 

Das Prinzip ist einfach: die Muskeln bis zum Versagen beanspruchen. „Als ich mein erstes Training probiert habe, dachte ich: ihr seid doch nicht ganz sauber“, erinnert sich Dombrowski. Angefangen hatte sie Ende vergangenen Jahres nach zehn Jahren Sportabstinenz und mit 20 Kilo Übergewicht. „Mein erstes Erlebnis war ziemlich frustrierend, ich habe keinen einzigen Burpee geschafft“, so die Freiburgerin, „aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt.“

 

Trotz Zeitdruck achtet sie darauf, dass ich alle Übungen korrekt ausführe – die Verletzungsgefahr ist ansonsten groß. Nach 17:22 Minuten bin ich durch, das Smartphone spendet mir Applaus, von den Gruppenmitgliedern gibt es ein ClapClap – ein zweimaliges Einschlagen – einer fragt mich nach meiner PB, meiner persönlichen Bestzeit. Zum Freeletics-Erfolgsrezept gehört es eben auch, durch gemeinsame Gesten und Ausdrücke das Gefühl aufkommen zu lassen, einer eingeschworenen Gemeinschaft anzugehören.

 

Einer Gemeinschaft, der jeder beitreten kann, der bereit ist, sich zu quälen. „Ob jemand sportlich ist oder nicht, ist bei uns kein Thema“, so Dombrowski, „wir pushen uns alle gegenseitig.“ Und so gibt es kein Nein, als eine der Sportlerinnen noch zu hundert Sit-ups motiviert. Ich bin angefixt, und obwohl ich länger brauche, als alle anderen, halte ich mich an die Freeletics-Parole: Aufgeben ist keine Option.

 

Text & Fotos: tbr