Am 22. September wählt Deutschland den neuen Bundestag. Davor veröffentlichen die Parteien ihre Wahl-Programme. Die sind oft über hundert Seiten stark und in ihnen stehen Worte, die nicht jeder kennt – etwa europäischer Bankenrestrukturierungsfonds (Grüne), Allgemeinverbindlicherklärung (SPD) oder Selbstverwaltungspartner (Piraten). Es gibt aber auch Wahl-Programme in leichter Sprache. Die findet man auf der Internetseite Hurraki. Hurraki ist ein Wörterbuch für leichte Sprache, erfunden von den Freiburgern Stephan Reifsteck und Christian Wolf.

Angela Merkel
Die beiden Heilerziehungspfleger richten sich mit ihrem Wörterbuch und ihrem Blog nicht nur an Behinderte, Nicht-Muttersprachler oder Autisten, sondern an jeden, der kurze Informationen über ein Thema sucht, ohne sich in detaillierten Unterkapiteln, wie bei Wikipedia, verlieren zu wollen.

„Leichte Sprache hat weder etwas mit Intelligenz noch mit mangelnder Bildung zu tun“, betont Reifsteck. Denn welcher intelligente Mensch sei nicht schon einmal an einem Beipackzettel, einer Gebrauchsanweisung oder einem Behördentext gescheitert? Oder auch an einem Wahlprogramm der Politik. So hat die Uni Hohenheim in Stuttgart vor der Landtagswahl in Niedersachsen untersucht, wie verständlich die Wahlprogramme der sechs großen Parteien sind. Das Ergebnis: Von maximal 20 Verständlichkeitspunkten erreicht das beste Wahlprogramm gerade einmal 7,7 und liegt damit näher an einer politikwissenschaftlichen Doktorarbeit als an einem Politik-Beitrag der Bild-Zeitung. Die häufigsten Verstöße gegen Verständlichkeitsregeln bilden Fremd- und Fachwörter, Nominalisierungen, Anglizismen und die Satzlänge.

Dass die Wahlprogramme auch ohne solche Sprachbarrieren auskommen, zeigen die Versionen der jeweiligen Parteien in leichter Sprache, wie man sie im Hurraki-Blog findet. Zudem werden im Wiki Begriffe wie Briefwahl, Erststimme oder Wahlgrundsätze erläutert. An Professionalität geht dabei nichts verloren: „Leichte Sprache ist keine Kindersprache, wir duzen den Leser nicht und geben auch keine Meinung vor“, erklärt Reifsteck.

Das Wiki führen er und Wolf ehrenamtlich, etwa eine Stunde täglich investieren sie dafür neben ihrer Arbeit bei der Caritas. Einer der schönsten Erfolge der beiden: Sowohl die Internetseite der Bundesregierung als auch die der Kanzlerin verlinken auf das Hurraki-Wörterbuch. Damit Politik für jeden verständlich wird.

Text: Tanja Bruckert / Foto: Alexander Hauk / pixelio.de

www.hurraki.de