Die regionale Industrie startet etwas verschnupft ins Jahr 2013

Solche Zahlen sind Sie von uns eigentlich nicht gewöhnt“, sagte Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen in Baden (WVIB) anlässlich der jährlichen Winterpressekonferenz. Der Verband hat bei seinen über 1000 Mitgliedsunternehmen die Konjunkturdaten fürs Jahr 2012 abgefragt, herausgekommen ist ein durchschnittliches Umsatzplus in Höhe von 1,6 Prozent. Nur.

Das ist zwar eine kleine Steigerung, doch kein Vergleich mit der rasanten Aufholjagd 2009 bis 2011, den Jahren nach der schweren Wirtschaftskrise. Bei der knappen Hälfte der Unternehmen sind die Umsätze gestiegen, 15 Prozent meldeten gleiche Zahlen, immerhin 37 Prozent einen Rückgang. Und jeder fünfte Betrieb, vor allem Automobilzulieferer und Maschinenbauer, klagt über eine schlechte Ertragslage.

Genug zu tun: Volle Auftragsbücher wirken positiv auf den Personalstand.


Wie geht’s uns, Südbaden? Wie wird 2013? Münzer sagt: „Es kann sein, dass es in diesem Jahr mehr Insolvenzen gibt als 2012.“ Aber er sagt auch, dass er trotz eines blauen Auges optimistisch ist, dass die Krise in und um Europa nicht auf die exportabhängige südbadische Industrie abfärbt. Es ist laut Münzer eine „Man-weiß-nicht-so-recht-Stimmung“. Die Unternehmen – die sich gerne auch Schwarzwald AG nennen, 175.000 Menschen beschäftigen und 35 Milliarden Euro Jahresumsatz machen – wissen nicht so genau, wohin die Reise geht.

Weder Boom noch Krise. Manche Märkte brechen ein, andere, wie der US-amerikanische, kompensieren das – zumindest für den WVIB-Präsidenten Klaus Endress vom weltweit tätigen Messgerätespezialisten Endress und Hauser. Einige Märkte seien kalt, andere heiß, und in der Mitte sei es angenehm warm, so Endress. Er zumindest versprüht gute Laune und Gelassenheit.

Was alle anderen auch zuversichtlich stimmt, sind die gestiegene Investitionsquote (plus ein auf sechs Prozent des Umsatzes), die ordentlich gefüllten Auftragsbücher und der Personalstand: 2012 haben 44 Prozent der Unternehmen neu eingestellt, 33 Prozent blieben gleich und nur 25 Prozent mussten Personal abbauen. Auch 2013 wird der Personalstand stabil bleiben, die Kurve zeigt sogar leicht nach oben.

Während die Unternehmen Fachkräftemangel beklagen, ist die Arbeitslosenquote 2012 im Bezirk Freiburg (Freiburg-Stadt, Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald) verglichen mit 2011 leicht um 0,1 Prozent auf 4,4 Prozent gestiegen, in Freiburg-City stieg sie von 6 auf 6,3 Prozent. Gründe: Die Stimmung ist wirtschaftlich verhalten, es gibt wenige Neueinstellungen, Zeitverträge werden nicht verlängert. Doch auch an dieser Front herrscht keine Weltuntergangsstimmung. „Uns geht es nach wie vor gut, es gibt sogar Licht am Horizont“, sagt Hanspeter Fakler, der Sprecher der Freiburger Agentur für Arbeit. Der Geschäftsklimaindex sei positiv, und das wirke sich 2013 auch auf den Arbeitsmarkt aus.

Text: Dominik Bloedner / Foto: David Hecker – dapd