Der Schock nach dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris sitzt immer noch tief. Zwölf Menschen starben. Es ist einer der schlimmsten Anschläge in der Geschichte Frankreichs. Wie fühlt man sich, wenn Kollegen so brutal angegriffen werden? In Freiburg bekannte Karikaturisten zeigen sich geschockt, unbeirrt und entschlossen.

Karikatur von Klaus Stuttmann.

 

Politiker, die Klaus Stuttmann karikiert, brauchen viel Ironie. Denn in seinen Zeichnungen macht Stuttmann sich ganz genüsslich über sie lustig. „Ironie zu verstehen und zu gebrauchen, ist erlernbar“, sagt der 65-jährige gebürtige Schwabe. Der Wahl-Berliner ist in ganz Deutschland als Karikaturist bekannt und zeichnet auch für die Badische Zeitung.

 

Stuttmann scheut sich nicht, Angela Merkel als naives Dummchen mit hängenden Mundwinkeln und unzählbar vielen Kinnfalten darzustellen, die sich über „kleine politische Aufreger in den Schlagzeilen“ freut, denn: „So bleibt kein Platz mehr für die großen Aufreger!“

 

Ob er sich durch die Anschläge eingeschüchtert fühlt? „Ich mache genauso weiter wie vorher“, erklärt er, „Satire geht an alle Grenzen und muss übertreiben. Jemand, der sich beleidigt fühlt, muss es ja nicht lesen.“ Kennt der Karikaturist Tabus? „Über jemanden, dem es sowieso schon schlecht geht, mache ich mich nicht lustig. Opfer karikiere ich nicht.“

Zwei Männer eine Berufung: Klaus Stuntman (mit Hut) und Peter Gaymann.

 

Karikaturen seien für ihn journalistische Elemente, über die sich Menschen schneller ärgern als über Texte oder Bilder. „Sie sind subjektive Kommentare, die oft missverstanden werden.“ Wie ernst es für ihn selbst werden kann, erfuhr Stuttmann 2006 am eigenen Leib: Damals hatte er wegen einer Karikatur Morddrohungen erhalten. Er tauchte für eine Woche unter. „Die Leute lesen in Zeichnungen nicht das, was zwischen den Zeilen steht.“

 

Wieso reagieren Menschen so stark auf Karikaturen? „Wir sind biologisch und sozial geeicht, Gesichter wahrzunehmen“, erklärt Medienkulturwissenschaftler Stephan Packard von der Freiburger Universität. „Überall fallen uns Eigenschaften von Gesichtern auf. Karikaturen isolieren diese Elemente, weswegen wir ihnen viel Aufmerksamkeit widmen.“

 

Auch der Zeichner Peter Gaymann kann sich nicht über mangelnde Beachtung beklagen. Der 64-jährige Freiburger, dessen Werke von Juni bis Oktober im Museum für Neue Kunst zu sehen sind, fährt aber auch „eine andere Schiene“. Ihm ist es nicht wichtig, immer „auf Angriff“ zu gehen, sondern ihm geht es um die Lust am Zeichnen und die humorvolle Unterhaltung. Selten habe er sich so schlecht gefühlt wie nach dem Pariser Anschlag. „Es war ein Gefühl wie nach der Explosion von Tschernobyl. Da dachte ich, was soll man denn noch zeichnen, wenn die Realität brutaler ist als alles, was ich je zeichnen kann?“

 

Seit über 20 Jahren veröffentlicht er „Die Paar Probleme“ in der „Brigitte“, Szenen aus dem Beziehungsleben. Gesellschaftskritische Themen mitten aus dem Leben interessieren ihn am meisten. „Mein Humor soll schwierige Themen entkrampfen.“

 

Satirische Provokation nur um der Provokation willen lehne er ab. Richte sie sich allerdings zielgerichtet auf ernste, angreifbare Themen, sei sie vertretbar. „Ich würde für die Meinungsfreiheit immer auf die Straße gehen.“

 

Gaymann lässt sein Atelier weiterhin offen für jeden: „Ich verstecke mich nicht, ich lasse mich nicht einschüchtern.“ Beide Zeichner machen genauso weiter, wie sie wollen: unbeirrt und entschlossen.

 

Text: Sophie Radix / Fotos: Klaus Stuttmann & Peter Gaymann & Julian Gaymann