„Muss nur noch kurz die Welt retten, noch 148 Mails checken.“ Viele Arbeitnehmer können sich in diese Songzeilen gut hineinversetzen, schließlich liest jeder Vierte regelmäßig dienstliche E-Mails nach Feierabend. Welche Gefahren die ständige Erreichbarkeit birgt, hat Wirtschaftspsychologin Nina Pauls (31) von der Uni Freiburg bib-Redakteurin Tanja Bruckert erläutert.

 

Nina Pauls

 

bib: Der Trend geht dahin, dass sich Berufliches und Privates immer mehr vermischen. Ist das nur negativ zu sehen oder sind dadurch nicht auch flexiblere Arbeitsmodelle möglich?
Pauls: Im Prinzip ist der Begriff der ständigen Erreichbarkeit nicht wertend. Die Forschung zu dem Thema ist noch sehr jung und zeigt bislang überwiegend negative Auswirkungen. Die Erreichbarkeit führt eben häufig nicht zu einer Flexibilisierung, sondern zur Ausweitung der Arbeitszeit. Dazu, dass man nach dem normalen Arbeitstag noch ein paar Stunden drauflegt. Daher nehmen auch Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben zu: Man hat das Gefühl, die Arbeit nimmt zu viel Raum in Anspruch und man hat keine Zeit mehr für Familie und Freunde.

 

bib: Ziel Ihrer Forschung, zu der aktuell Gespräche mit Arbeitnehmern zählen, ist, in Unternehmen Leitlinien für die Erreichbarkeit zu entwickeln.
Pauls: Große Konzerne haben auf das Thema reagiert, indem sie abends die Mail-Server ausschalten oder E-Mails während der Urlaubszeit löschen. Doch aus Sicht der Beschäftigten, mit denen wir sprechen, greift das zu kurz – sie empfinden das als Beschneidung ihrer Freiheiten. Und deswegen wird es im nächsten Schritt darum gehen, in den Unternehmen Absprachen zu treffen: Wann ist es noch okay, wenn man versucht, mich zu erreichen? Welchen Kanal wünsche ich mir? Welche Grenzen müssen eingehalten werden?

 

bib: Wie handhaben Sie das selbst?
Pauls: Ich gehöre zu den Leuten, die sehr stark Grenzen ziehen. Abends oder am Wochenende beantworte ich E-Mails nur in Ausnahmesituationen.

 

Foto: © Universität Freiburg