BWL-Student, Skilehrer, Taxifahrer – es dauerte ein bisschen, bis der Diplom-Kaufmann Erik Herr seine Berufung, seinen Beruf fand. Der gebürtige Pforzheimer setzte sich im April 1987 in seine ersten Kanzleiräume in der Rotlaubstraße. Allein. Jetzt feierte der Steuerberater mit mehr als 100 Gästen sein 25-jähriges Jubiläum, hat acht fest angestellte Mitarbeiter und seinen Umsatz von ursprünglich 40.000 Mark auf rund 500.000 Euro gut verzwanzigfacht. Der Schlüssel zum Erfolg? „Hohes Fachwissen und eine ausgeprägte Bereitschaft zum Gespräch mit den Mandanten“, sagt Herr. Davon hat er mittlerweile knapp 400.

Würde die Gewerbesteuer abschaffen: Steuerberater Erik Herr.


Zwei Fälle sind dem 55-Jährigen besonders im Gedächtnis geblieben: Da war der Mandant, der in der Schweiz eine Million Euro liegen hatte und fürchtete, 300.000 oder 400.000 Euro Steuern nachzahlen zu müssen. Die Bank mauerte, wollte kaum Informationen rausrücken, Herr und sein Team blieben zäh, buchten zehn Jahre nach, und der Anleger musste am Ende nur 30.000 hinlegen. Dann war da die Architektengruppe mit Freiburger Beteiligung, die im Osten Bauland für 35 Häuser gekauft hatten, aber nur für zwei eine Baugenehmigung bekam. Wenn Herr nicht – nachträglich – erfolgreich argumentiert hätte, dass die Planer das Unterfangen von Anfang an gewerblich und nicht privat gestartet hätten, hätte das durchaus zu privaten Insolvenzen führen können. Und zum Glück schickte er auch ein paar windige Anleger wieder aus der Kanzlei, die drei Wochen danach Besuch vom Staatsanwalt bekamen und in Freiburg verurteilt wurden.

Wenn er selber die Steuergesetze schreiben dürfte, würde er die Gewerbesteuer – mit Kompensation für die Kommunen – abschaffen und auch das Einkommenssteuergesetz stark vereinfachen: „Anstatt sich mit der Anrechenbarkeit von Arbeitszimmern oder dem KFZ-Eigenanteil zu beschäftigen, hätten wir dann mehr Zeit für die wirtschaftlichen Belange der Mandanten. Das wäre für die Kunden, den Staat und für die Berater besser.“ Sein Alleinstellungsmerkmal? „Wir sind bei der EDV-gestützten Arbeit sicher ganz weiter vorne, unser Spezialist hat viele Kanzleien, aber uns nennt er Power-User.“
Die permanente interne und externe Fortbildung zählt am Schlossbergring ebenso zu den hohen Gütern wie die Mandanteninformationen per Mail und Infopost. „Wenn es eine Zertifizierung für Steuerberater gäbe, hätte ich vor der sicher keine Angst.“
Diese Kanzleiphilosophie hat nun seit 25 Jahren Erfolg. So überrascht es kaum, dass der Fachmann am 1. Juli bereits wieder eine neue Steuerfachangestellte einstellt. Und einen Partner sucht er auch noch. Der muss aber eine ausgewiesene Expertise haben, wenn er den Ansprüchen beim Herr der Zahlen genügen will.

Text: bar / Foto: Privat