Wie der Freiburger Werner Fleischer einem namibischen Reiseveranstalter half

Wo liegt Ongwediva? Kein Mensch weiß, wo Ongwediva liegt.“ Das waren Werner Fleischers erste Gedanken, als er von seinem ersten Auftrag für den Senior Experten Service (SES) erfuhr. Der SES ist ein Zusammenschluss von pensionierten Fachkräften aus allen Berufssparten, die ihr Know-how ehrenamtlich an kleine und mittlere hilfsbedürftige Unternehmen weltweit weitergeben. Fleischer hat seinen Lebensunterhalt als Reiseveranstalter verdient und sich dabei deutschland- und sogar weltweit einen Namen als Pionier in der Abenteuerurlaubsbranche gemacht*. Der 64-jährige Freiburger ist der gemeinnützigen Gesellschaft im vergangenen Herbst mit Beginn des Rentenalters beigetreten. In Ongwediva hat er jetzt einem lokalen Reisebüro geholfen, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen.

Über die Schulter: Drei Tage schaute Fleischer sich das Treiben an. Dann handelte er.

 

Wer Fernsehsendungen wie „Die Küchenchefs“, „Kochprofis – Einsatz am Herd“ oder „Rach der Restauranttester“ kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie der Service des SES funktioniert: Ein Profi kommt zu einem Unternehmen, das Unterstützung benötigt, bleibt für ein paar Wochen, krempelt einiges um, und wenn er weg ist, soll die Sache von alleine weiterlaufen.

 

Unterstützt wird die Organisation dabei von über 20 namhaften Institutionen und Unternehmen, unter anderem von verschiedenen Bundesministerien oder großen Stiftungen wie der Robert-Bosch- oder der Siemens Stiftung.

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Fleischers erster Weg führte ihn nach Afrika. Ongwediva liegt im nördlichen Namibia zwischen der Etoschapfanne und der Grenze zu Angola. Das bis dahin letzte Mal, als Fleischer dort unterwegs war, hieß das Land noch Deutsch-Südwest-Afrika. Er war einer der ersten überhaupt, der Touren dorthin plante und somit die Gegend auch für Touristen aus Deutschland zugänglich machte. Fast 40 Jahre später hatte jetzt das drei Jahre zuvor gegründete lokale Unternehmen „Cheetah Backpackers and Safari“ beim SES um Aufbauhilfe gebeten.

 

„Die haben da bisher so vor sich hingedümpelt“, beschreibt er die wirtschaftliche Marschrichtung der kleinen Reiseagentur. Drei Tage lang hat der Freiburger sich dann angeschaut, wie das Reisebüro nebenher auch als Copy-Shop oder örtlicher Eisverkauf herhalten musste. Dann packte er das in den Brunnen fallende Kind am Schopf. „Wo ist denn eigentlich eure Cash-Cow“, fragte er sich und die Unternehmensbetreiber, „womit verdient ihr hier am meisten Geld? Und wofür gebt ihr am meisten aus?“

Über die Schulter: Drei Tage schaute Fleischer sich das Treiben an. Dann handelte er.

 

Er durchleuchtete die kaum vorhandenen Wirtschaftsbücher, entwickelte mit dem Unternehmer einen Businessplan, stellte zwei neue Reiseleiter ein und bildete diese auch gleich aus. „Wir haben in erster Linie eine ganz klassische Kalkulation gemacht“, erklärt der erfahrene Unternehmer. Innerhalb von vier Wochen stellte er Kontakte zu Hotels und Verkehrsunternehmen her, überlegte sich ein ansprechendes Reise- und Ausflugsprogramm, sorgte beim Unternehmen für eine Corporate Identity und installierte kurzerhand einen gewinnbringenden Chauffeurservice. Zurück in Freiburg ließ er schließlich noch hochwertige Prospekte drucken, mit denen das Büro jetzt in Namibia Werbung machen kann.

 

Ob er Erfolg hatte, muss sich zeigen. Ganz im Stile eines Christian Rach will sich aber auch Fleischer in nicht allzu ferner Zukunft selbst davon überzeugen. Wenn es die Auftragslage des SES zulässt.

 

Text: Felix Holm / Fotos: Privat

 

*Hier geht‘s zum chilli-Portrait „Werners Welt“, erschienen im November 2009.
*Hier geht‘s zum chilli-Portrait „Werners Welt“, erschienen im  November 2009.