Vom 10 Hektar oder 15 Fußballfelder großen neuen Gewerbegebiet Haid-Süd sind erst zwei Spielfelder vermarktet. Wenn es nach Christian Schulz geht, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Haid, liegt das vor allem an einem »praxisfremden« Bebauungsplan, hohen bürokratischen Hürden, Auflagen und zu vielen Beschränkungen. Die die Flächen vermarktende Freiburg-S-Wirtschaftsimmobilien GmbH (FWI) winkt ab.

Eine Solar-Pyramide fürs Gewerbegebiet: Für das zwölf Millionen Euro teure Tetraeder werden noch Investoren gesucht.

 

»Wir sind mit der bisherigen Belegung sehr zufrieden. Das Interesse ist groß«, sagt FWI-Chef Bernd Dallmann. Besonders ein Gebäude soll dem als Null-Emissions-Gewerbegebiet geplanten Areal schon bald Leuchtkraft verleihen: Ein Tetraeder, den der Freiburger Solararchitekt Rolf Disch mit Paul Heinrich Neuhorst (Spectral) an der aufmerksamkeitsstarken Matsuyamaallee geplant hat. Haid-Süd ist kein Quartier für jedermann: Bei der Vergabe der Grundstücke sind Betriebe mit hoher Wertschöpfung, vielen Arbeitsplätzen sowie einem architektonisch und ökologisch ambitionierten Baukonzept klar im Vorteil. Entlang eines neuen, nunmehr eigenständig geplanten Fahrradweges werden kleinere Grundstücke für Handwerk und produzierende, kleine und mittelständische Unternehmen gebildet. »Die Auflagen sind machbar und spiegeln unsere Vermarktungsgrundsätze wider«, so Dallmann. Das Sanitätshaus Schaub und der Schraubengroßhändler Würth haben entlang der B31 auf größeren Parzellen bereits zugeschlagen und ihre Bauschilder aufgestellt. Das Bauland kostet 180 Euro pro Quadratmeter – erschlossen.

Eine Solar-Pyramide fürs Gewerbegebiet: Für das zwölf Millionen Euro teure Tetraeder werden noch Investoren gesucht.

 

Aktuell zu haben sind 2,5 Hektar, die restlichen 6 warten noch auf die Änderung des Bebauungsplans. Ebenso wie der 48 Meter hohe Tetraeder zwischen Schlattwegbrücke und Matsuyamaallee, für den aber auch noch Investoren gesucht werden, die die zwölf Millionen Euro schwere Finanzierung stemmen wollen. »Der Tetraeder wird architektonisch eine große Ausstrahlung auf das Gewerbegebiet Haid und als Stadteingang auch auf das Stadtbild von Freiburg haben«, hofft Dallmann.

 

Zum Entwicklungskonzept gehören Bauhöhen von 16 bis 20 Metern, der Einsatz regenerativer Energien und in Green City auch die Radlerfreundlichkeit. Dem Radweg messen die städtische Wirtschaftsförderung und die Stadtverwaltung große Bedeutung als positiver Standortfaktor bei, weil er sowohl für die Mitarbeiter der Firmen wichtig sei, den Freizeitwert erhöhe und als Anbindung an die Heilquellenbetriebe in St. Georgen diene.

 

Das Ziel eines Null-Emissions-Gebiets sei, so die FWI, keine Marketing-Idee: Durch das Gewerbegebiet laufen keine Gasleitungen, sodass regenerative Energieträger Wärme bringen müssen. Die Firmen Würth und Schaub beispielsweise heizen und kühlen mit Grundwasser und Wärmetauscher. Das Umweltschutzamt und ein Ingenieurbüro beraten Firmen, die sich hier ansiedeln wollen. Und wenn das aufgrund der Rahmenbedingungen länger geht, nimmt die FWI das billigend in Kauf.

 

Text: Lars Bargmann & Visualisierung: © P. H. Neuhorst

 

Info
Gewerbegebiet Haid

 

Das Gewerbegebiet Haid entstand 1970 auf einer rund 200 Hektar oder 285 Fußballfelder großen, landwirtschaftlich genutzten Fläche. Bis heute haben sich darauf mehr als 450 Betriebe mit rund 8000 Beschäftigten angesiedelt – die größten sind Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Stryker Leibinger GmbH & Co. KG, Freiburger Verkehrs AG, Hüttinger Elektronik GmbH & Co. KG, die Mercedes-Benz-Niederlassung Freiburg und die GE Medical System Information Technologies GmbH. 2011 wurde die Süd-Erweiterung mit netto zehn Hektar Bauland beschlossen. Die Interessen der Firmen werden seit 2010 von der IG Haid (www.ig-haid.de) vertreten.

 

Text: bib