Aus dem Volk der Dichter und Denker ist ein Volk der Abdichter und Dämmer geworden. Hatte Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft der Freiburger Sparkasse, bei einem Redaktionsbesuch im chilli im Herbst 2013 gesagt. Der Experte ist nicht der einzige, der meint, dass der Gesetzgeber mit immer strengeren Energieeinsparverordnungen (EnEV) „längst über das ökologisch und ökonomisch richtige Maß hinausgeschossen“ ist.

 

Im grün regierten Freiburg gehört es zum guten Ton, dass die heimischen Auflagen für neue Bauvorhaben stets noch über den gesetzlichen angesiedelt sind. So müssen nach den eigens aufgestellten baulandpolitischen Grundsätzen alle Gebäude auf von der Stadt verkauften Grundstücken oder in neuen Bebauungsplänen den Freiburger Effizienzhaus-Standard 55, gleichbedeutend mit dem KfW-Effizienzhaus 55 (nach der EnEV 2009), erreichen. Das schont die Umwelt und ist im Kern daher richtig.

 

Die Badische Zeitung frischte das Thema unlängst mit einem Bericht über die vermehrte Schimmelbildung in gut gedämmten Häusern Baujahr 2002 noch einmal auf. „Die Häuser sind hermetisch dicht. Da ist Schimmel programmiert”, wurde der Energieberater Otto Mangold zitiert. Und mit immer besser gedämmten Gebäuden werde sich das Problem immer weiter verschärfen. Es geht am Ende nicht nur um Schimmel, es geht auch um die Keimbelastung in den Räumen.

Debatte um Dämmerung

 

Da es den idealen Bewohner mit dem optimalen Lüftungsverhalten nicht gibt, wären kontrollierte Be- und Entlüftungen in den Wohnungen – wie sie in Passivhäusern schon serienmäßig sind – eine Lösung. Wer diese aber fordert, muss wissen, dass sie dem vielstimmigen Ruf nach bezahlbarem Wohnraum konträr entgegenläuft: Denn eine solche Anlage kostet für eine 70 Quadratmeter große Wohnung schnell mal 9000 Euro, die der Verkäufer an den Käufer weitergibt. In die Debatte mischte sich auch die Energieagentur Regio Freiburg ein. „Wenn über die Kosten für Lüftungsanlagen diskutiert wird, werden häufig verschiedene Anlagentypen vermischt. Zur Vermeidung von Schimmelbildung genügt bereits eine Abluftanlage, die einfach zu installieren ist und nur geringe Kosten verursacht“, sagt Christian Neumann, Fachbereichsleiter Technik der Energieagentur.

 

Einig sind sich die Experten, dass regelmäßiges Stoßlüften die entscheidende Größe bei der Vermeidung von Schimmelbildung sei. Nur, wer kann (oder will) schon regelmäßig stoßlüften?

 

Moderne, energieeffiziente Häuser seien aber insgesamt, so Energieagentur-Chef Rainer Schüle, wesentlich seltener von der Schimmelproblematik heimgesucht als ältere, schlecht gedämmte Häuser. Das habe eine Auswertung von 4000 Beratungsgesprächen der Verbraucherzentrale gezeigt. Demnach kommen Bewohner von älteren, schlecht gedämmten Häusern fast dreimal so häufig mit einem Schimmelproblem zur Beratung als Bewohner von Neubauten.

 

Text: Lars Bargmann / Foto: www.istockphoto.com