Voulez-vous …?“ Das Handwerk in Südbaden würde gerne, auf der anderen Seite des Rheins würden sie auch gerne. Hier gibt es ein Nachwuchsproblem, dort zu viele Jugendliche ohne Job. Doch so richtig zusammengekommen ist man noch nicht. Gerade mal eine Handvoll elsässische Auszubildende arbeitet in der Region. Dabei fehlen den Betrieben im Kammerbezirk die Lehrlinge. 300 Lehrstellen seien unbesetzt, berichtet Kammerpräsident Paul Baier auf der Jahrespressekonferenz. Und Hauptgeschäftsführer Johannes Burger klagt: „Es gibt immer weniger qualifizierte Bewerber.“

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Was an der demographischen Entwicklung liegt, aber auch daran, dass die Jugend vor heute lieber studiert oder mehrere Optionen in Sachen Berufswahl hat – etwa eine Ausbildung im Handel oder der Industrie. Derzeit werden im Bezirk 6530 junge Menschen ausgebildet, vier Prozent weniger als 2011. Deswegen der Blick über die Grenze, deswegen soll das Personal im Elsass und in anderen europäischen Regionen gewonnen werden – dort, wo die Jugendarbeitslosigkeit um ein Vielfaches höher als hier: Während im Kammerbezirk die Quote 2,5 Prozent beträgt, sind es EU-weit 24,4.

Auch wenn aber Deutsche und Franzosen politisch schon weit sind, stünden nach wie vor „bürokratische Hindernisse“ (Baier) dem Austausch entgegen. Deren Beseitigung und eine verstärkte Präsenz des Handwerks auf der elsässischen Seite – etwa im Rahmen von Berufsinfomessen – stehen daher auf der Agenda der Kammer. Zu klären sei unter anderem, wer künftig die Berufsschule zahlt. Und Burger, der in der deutschen dualen Ausbildung einen möglichen Exportschlager für Europa sieht, fügt hinzu: „Die Franzosen haben wohl ein Problem mit Deutschen als Lehrmeister.“

Auch mit Padua, Freiburgs italienischer Partnerstadt, hat die Kammer ein Modellprojekt zur Fachkräftegewinnung gestartet. Das Jahr 2013 steht mithin unter dem Motto „Europa ist handgemacht“. Es geht ums Erschließen neuer Märkte für Mitgliedsbetriebe, aber auch um mehr Austausch von Lehrlingen. Das Programm heißt „Go for Europe“ und ist mit dem Erasmus-Programm für Studierende vergleichbar. Das eröffne neue Blickwinkel, schon immer hätten die Wandergesellen auf Reisen ihren Horizont erweitert, sagt Burger.

Auch wenn der Lehrlings- und Fachkräftemangel Grund zur Sorge gibt – das Handwerk, dessen knapp 16.000 Betriebe in Südbaden vergangenes Jahr mit 101.770 Beschäftigten 8,57 Milliarden Euro (zwei Prozent weniger als 2011) umgesetzt haben, präsentiert sich trotzdem mit breiter Brust. Die Betriebe seien zufrieden bis sehr zufrieden, berichtet Baier. Die Auftragslage sei gut, die Konjunktur stabil. Jetzt müssen nur noch die Elsässer und Italiener kommen.

Text: Dominik Bloedner / Foto: clipdealer.de