Wein und Nu Jazz – für diese Kombination ist DJ Rainer Trüby in Freiburg bekannt. Doch der 43-Jährige lädt nicht nur DJs aus aller Welt ins Waldsee und in die Passage 46, er legt auch selbst in ganz Europa auf und produziert seine eigene Musik. chilli-Redakteurin Tanja Bruckert hat er erzählt, wie der Nachwuchs die Preise kaputt macht, warum man von Musikverkäufen nicht leben kann und was ein DJ im Alter macht.

Lassen Sie uns über Geld reden: DJ Rainer Trüby

 

chilli: Es heißt, David Guetta verdient bei einem Auftritt um die 200.000 Euro. Wie weit sind Sie davon entfernt?
Rainer Trüby: Da bin ich sehr weit von entfernt. Ich mache ja eher Undergroundmusik – also nur die Musik, die mir gefällt. Es ist trotzdem so, dass ich davon ordentlich leben kann.

 

chilli: Können Sie eine Hausnummer nennen?
Trüby: Zu meiner besten Zeit, als Nu Jazz noch voll im Trend war, habe ich am Abend einen kleineren vierstelligen Betrag verdient. Inzwischen ist das Auflegen kein Handwerk mehr wie früher. Damals ging es um das Mixen mit Schallplatten, inzwischen kann das mit Computerprogrammen eigentlich jeder machen. Meine Generation hat zu kämpfen, denn die Jüngeren, die sich inzwischen auch gute Namen geschaffen haben, legen auch mal für 200 Euro auf. Da denken sich manche Clubs: warum soll ich jetzt so einen teuren Veteranen buchen?

 

chilli: Haben Sie mal überlegt, mehr Mainstream aufzulegen, um besser zu verdienen?
Trüby: Nein, diesen Kompromiss gab es nie. Ich schätze mich glücklich, dass ich auch noch nach all den Jahren meine Bookings bekomme – ich bin ja nicht mehr der Allerjüngste in dem Gewerbe. Zum Glück musste ich nie kommerzielle Zugeständnisse machen, sondern wurde immer für die Musik gebucht, für die ich stehe.

 

chilli: Sie sind einer der wenigen DJs, die das hauptberuflich machen …
Trüby: Ja, seit mittlerweile 20 Jahren. Eigentlich hatte ich in Freiburg angefangen, Soziologie zu studieren und habe nur nebenher aufgelegt, doch irgendwann wurde mir bewusst, dass ich jetzt eine Sache richtig machen muss. Deshalb bin ich mit dem ersten Zeitungsartikel bewaffnet zu meinen Eltern – die mir das Studium finanziert haben – und habe ihnen eröffnet: Ich werde mich exmatrikulieren. Sie haben es gut aufgenommen.

Lassen Sie uns über Geld reden: DJ Rainer Trüby

 

chilli: Sie legen nicht nur auf, sie produzieren auch selbst. Womit verdienen Sie mehr?
Trüby: Seit diesem Jahr arbeite ich mit dem italienischen Produzenten Corrado Bucci – das Projekt nennt sich Truccy. Die aktuellen Produktionen laufen gut, aber an die Stückzahlen der Nullerjahre, als tatsächlich noch CDs und Schallplatten verkauft wurden, kommt man nicht mehr heran. Die Superstars leiden da nicht so darunter, aber in meinem musikalischen Genre ist es schwierig geworden, von den Musikverkäufen zu leben. Die Musik, die ich selbst produziere, finanziert mich etwa über ein Drittel, die anderen beiden Drittel verdiene ich durchs Auflegen und eigene Veranstaltungen wie »Root Down« und »Beats & Öxle«.

 

chilli: Hand aufs Herz: Ihr kürzlicher Wechsel mit der Veranstaltungsreihe »Root Down« vom Waldsee in die Passage 46 – welche Rolle hat dabei das Geld gespielt?
Trüby: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das keine wirtschaftliche Frage war. Wenn es geregnet oder geschneit hat, ist auch bei guten Bookings oftmals das Publikum ausgeblieben, da musste ich ein paar Mal drauflegen. In der Passage ist eben auch das Laufpublikum da.

 

chilli:Wie lange werden wir Sie denn noch hinter dem Plattenteller sehen?
Trüby: Ich habe mir kein Limit gesetzt, aber ob ich mit 70 noch im Club stehen will? Vielleicht lege ich dann in einem Altersheim auf – schon zu meiner Zivizeit habe ich einen »Tanztee mit DJ Rainer« gemacht. Da schließt sich der Kreis dann wieder.

 

Foto: Tanja Bruckert, privat