Geld vermehrt sich bekanntlich meist nicht von allein. Da hilft es auch nichts, wenn man zaubern kann. Oder doch? Der Waldkircher Willi Auerbach vermehrt sein Geld jedenfalls durch Zauberei. Der 31-Jährige hat nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker in Offenburg Medien und Informationswesen studiert, verdient sein Geld aber als Bühnenkünstler, Künstlervermittler und Zaubertrickhersteller. chilli-Redakteur Felix Holm hat mit ihm über seine Arbeit gesprochen und darüber, wie man damit auch noch Gutes für bedürftige Menschen tun kann.


chilli: Wie sind Sie zur Zauberei gekommen?
Auerbach: Als 17-Jähriger war ich mit meinen Eltern in Florida im Urlaub. In einem Zaubergeschäft in Orlando haben sie uns an der Theke dann ein paar Tricks gezeigt – da ist der Funke übergesprungen und ich habe das auch angefangen. Und als meine Eltern die Tricks schließlich nicht mehr sehen konnten, musste ich eben für andere zaubern.

chilli: Meine Oma würde jetzt sagen: Aber Sie haben doch zunächst einmal „was Gescheites“ gelernt? Wollen Sie nicht einen „richtigen“ Beruf machen?
Auerbach: Meine Eltern fanden das mit meiner Industriemechaniker-Ausbildung und später dem Medien-Studium eigentlich auch nicht schlecht. Ich bin aber kreativ und brauche einen Beruf, der mich ausfüllt und über das Alltägliche hinausgeht. Nach dem Studium habe ich daher meine eigene kleine Firma gegründet und lebe jetzt von der Zauberei, meiner kleinen Künstleragentur und einer kleinen Zaubertrickmanufaktur.

chilli: Ihre ersten Auftritte haben Sie vor Herzpatienten in einem Kurzentrum gemacht. Da dürfte es ja nicht allzu aufregend zugegangen sein …
Auerbach: (lacht) Ja, das waren meist fünf bis acht recht erschöpfte Zuschauer. Aber ich konnte da wirklich eine Menge Routine entwickeln und einfach lernen, wie man auftritt. Da war es auch nicht so schlimm, dass ich damals nicht wirklich etwas verdient habe.

chilli: Wie viel gab es denn damals für einen Auftritt?
Auerbach: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Vielleicht ein Zehntel von dem, was ich heute nehme.

chilli: Und was nehmen Sie heute?
Auerbach: Für kleinere Veranstaltungen fängt das bei 350 bis 380 Euro an. Nach oben ist viel Luft. Wir haben eine Illusionsshow, bei der ich mit Assistentin auftrete und mit einem Lastwagen ankomme. Das kann dann auch mal über die tausend Euro hinausgehen. Dafür bereiten wir uns dann aber auch manchmal bis zu einer Woche im Vorfeld vor.

chilli: Wie oft werden Sie gebucht?
Auerbach: Das ist sehr unterschiedlich. In manchen Wochen habe ich drei Auftritte, manchmal drei Wochen lang keinen. In der Weihnachtszeit werde ich oft zu Firmenfeiern gebucht, da bin ich auch schon drei Mal an einem Tag aufgetreten. Im Sommer sind sehr viele Hochzeiten und Privatveranstaltungen. Übers Jahr gesehen kommen so 50 bis 60 Shows zusammen, im Schnitt also etwa eine pro Woche.

chilli: Und in der freien Zeit erfinden Sie Tricks für andere?
Auerbach: Ja genau. Langweilig wird’s mir nicht. Ich habe verschiedene Entwicklungen für Berufskollegen. Meistens kommen Profizauberer auf mich zu und erklären mir, was sie machen wollen und ich setze das Konzept dann technisch um, betreue auch den Bau der Requisiten bis hin zur Beratung für die Inszenierung.

chilli: Und was sind das für Aufträge?
Auerbach: Das kann sein, dass ein Kunde bei der IAA ein Auto erscheinen lassen möchte und ihm die Technik fehlt. Oder jetzt hat ein Fernsehsender angerufen, die etwas zur Thematik Zauberei machen wollen und tricktechnische Berater brauchen – da darf ich jetzt aber noch nicht mehr verraten. Es geht jedenfalls meist um Spezialprojekte, die es so nicht von der Stange gibt.

chilli: Was war bislang Ihr größter Auftritt?
Auerbach: Von den Zuschauerzahlen her mit Sicherheit ein Auftritt in einer ZDF-Volksmusiksendung vor sechs Millionen Fernsehzuschauern. Für mich am bedeutendsten sind aber meine Auftritte für die Stiftung „Menschen für Menschen“. Seit zehn Jahren veranstalte ich da regelmäßig eine Charity-Gala, die bisher letzte war im Februar im Bürgerhaus in Denzlingen. Da hatten wir 450 Gäste und haben 5.000 Euro zusammen bekommen, die wir komplett gespendet haben. Und einmal bin ich mit der Stiftung nach Äthiopien geflogen und habe dort mit meiner Frau als Assistentin in einem Dorf gezaubert (lacht). Wir hatten erst Angst, dass sie uns als Hexer verbrennen, aber es kam sehr gut an. Dort vor Ort zu zaubern, war auch sehr bewegend.

www.magic-man.de

Fotos: Magic Man / Felix Holm