Begonnen hat die noch junge Geschichte des Offenburger Startup-Unternehmens Stickin AG in einer Fischkonservenfabrik in Neuseeland. Dort stand am Fließband während einer Kreativpause Jeremias Endres und hatte eine Idee: Warum nicht das Bonussystem mit den Rabattmarken aufs Medium der Zukunft, das Smartphone übertragen?

 

Dann würden auch bei ihm die Kärtchen aus den Portemonnaies verschwinden, das begrenzte Repertoire würde uferlos werden, simpel, schnell, modern, unabhängig. Heute hat Stickin 11.000 Nutzer und 140 Unternehmen mit 165 Ausgabestellen in Mittelbaden und Freiburg zusammengeführt. Die Unternehmen zahlen mindestens einen Euro am Tag für das neue Kundenbindungsprogramm.

 

Stickin

 

Endres hatte damals eine Teilzeitstelle bei der Avenit AG. Dessen Vorstandsvorsitzender war Seifert, der die Internetagentur mit seinen Brüdern und einem Freund im Keller des elterlichen Wohnhauses gegründet hatte. Ende 2011 kam Endres zurück, sprach mit seinem Freund Alexander Schulze und wollte sich eigentlich selbständig machen.

 

Es kam anders: Seifert hatte das Potenzial schnell erkannt, im Oktober wurde ein Investor gefunden, ein family-office aus dem Stuttgarter Raum, im November gründeten Seifert, Endres und Schulze die Stickin AG. Seit Anfang 2013 ist es dank der Stickin-App möglich, Treuepunkte bei Partnern des Programms mobil zu sammeln. Ein Riesenmarkt. 90 Prozent aller Konsumenten über 14 Jahren, zitiert Seifert eine Studie, sammeln Bonuspunkte. Im Schnitt haben sie 4,2 Rabattkarten in der Geldbörse. „Und dann stärkt Stickin auch noch die regionale Wertschöpfung, weil die so gebundenen Kunden eben weniger Geld über Amazon und Co. exportieren.“

 

Das Geschäftsmodell überzeugte auch den Badischen Verlag, der im Februar einstieg. Heute arbeitet schon ein knappes Dutzend Leute für Stickin. Ob aus dem kleinen Startup mal ein richtiger Player im Internet wird, hängt davon ab, wie schnell sich Stickin verbreitet und ob es Marktführer werden kann – erst in den Regionen, später national. „Das“, sagt Seifert, „müssen wir schaffen.“

 

Text: Lars Bargmann