Etwa 2250 neue Kunden pro Monat, eine gewachsene Bilanzsumme von 2,9 Milliarden Euro und ebenfalls gewachsenes Eigenkapital von 177 Millionen Euro: Die Zahlen, die die GLS-Bank kurz vor ihrer Jahresversammlung den Journalisten präsentiert, können sich sehen lassen. Auch die Freiburger Filiale hat Positives zu berichten: Gab es in Südbaden 2008 rund 4000 GLS-Kunden, waren es im vergangenen Mai bereits mehr als 9200, die nicht nur in Soziales oder Bildung investieren, sondern mit einem Kreditvolumen von 8,7 Millionen Euro vor allem den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben. Der Bilanzgewinn lag 2012 bei 2,5 Millionen Euro. Für die Freiburger Filialleiterin Annette Bohland ist das aber bei einer nicht primär gewinnorientierten Bank keine aussagekräftige Zahl.

Solaranlage
Finanzvorstand Andreas Neukirch will wissen, warum die Kundenzahlen steigen: „Wenn sich der Zinssatz relativiert, kommt bei vielen die Frage auf: Was kann ich Sinnvolles mit meinem Geld machen?“ Und da stoßen viele auf die regenerativen Energien: Deutschlands erste sozial-ökologische Bank vergibt in diesem Bereich mittlerweile ein Drittel ihres Kreditvolumens. Die Freiburger finanzieren Projekte wie das Blockkraftwerk im Hotel Alte Post in Müllheim, das neue Windrad in Freiamt oder zahlreiche Solaranlagen in Freiburg. Für die Energiewende seien die kleinen die entscheidenden Projekte, denn die vier Energieriesen produzieren gerade einmal 6,5 Prozent der Erneuerbaren, 51 erzeugen mittlerweile Privatpersonen und Landwirte, den Rest steuern kleinere Versorger bei. „Bei der Energiewende braucht es einen Richtungsentscheid: Greifen wir auf große Offshore-Projekte zurück oder organisieren wir die Wende dezentral?“, fragt Vorstandssprecher Thomas Jorberg.

Bohland braucht nur einen Blick von der GLS-Filiale im Sonnenschiff auf die mit Solaranlagen bedeckten Dächer des Vauban zu werfen, um die Antwort zu kennen: „Die steigenden Energiekosten wecken bei den Menschen das Bedürfnis, autark zu sein.“ Es gebe allerdings Verschiebungen innerhalb des Themas. Etwa von der Photovoltaik hin zur Windkraft.

Bekanntlich will die grün-rote Landesregierung bis 2020 rund 1000 neue Windräder sich drehen sehen, und an der Basis schließen sich immer wieder Bürger zu Energiegenossenschaften zusammen. Auch wenn die südbadische „Energie in Bürgerhand“ kürzlich wieder aufgelöst werden musste, verzeichnete das Umweltministerium im Juni über 120 Energiegenossenschaften im Ländle. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Projekte mit Bürgerbeteiligung solider sind und Probleme effektiver gelöst werden“, sagt Bohland. Zwar gebe es bei der GLS noch keine großen Windkraft-Volumen, sie erwarte jedoch einen Peak für die Jahre 2015 und 2016: „Da ist viel Musik im Markt.“

Text: Tanja Bruckert / Foto: Privat