Mit einem Handgriff ist die Vorrichtung mit dem kurzen Metallrohr am Herd befestigt und schon kann es losgehen: Jonas Benz hängt den Topfstiel ein und fängt an, energisch mit dem Schneebesen zu rühren. Die Vorrichtung hat sein Ausbilder im Hotel-Restaurant »Die Krone« in Staufen von einem Metallbauer fertigen lassen, damit der Topf beim Rühren still steht. Denn was für andere Köche selbstverständlich ist – gleichzeitig rühren und den Topf festhalten –, ist für den Azubi im zweiten Lehrjahr unmöglich: Im Alter von zwei Jahren verlor er seinen rechten Arm. Trotzdem hat er nie an seiner beruflichen Zukunft gezweifelt: sich eines Tages als Koch selbstständig zu machen.

Jonas Benz und Volker Lahn im Gespräch mit Dorothea Störr-Ritter und Christian Ramm: »Es klappt alles irgendwie.«

 

»Am Anfang war ich skeptisch«, erinnert sich Kurt Lahn, Inhaber der Krone, an den Moment vor knapp zwei Jahren, als er die Bewerbung eines einarmigen jungen Mannes in Händen hält, der sich für eine Kochausbildung bewirbt. »Jetzt bin ich sehr, sehr froh, dass wir ihn damals genommen haben. Mit seiner Freude und Motivation kompensiert er sein Handicap mehrfach.«

 

Ein bisschen mehr Zeit brauche der 19-Jährige für manche Aufgaben, für einige habe er auch erst die richtige Technik für sich herausfinden müssen, erzählt Küchenchef Volker Lahn. Etwa, dass sich eine Zwiebel mit einem Arm besser schneiden lässt, wenn er sie zunächst in Streifen schneidet. Am Anfang sollte eine Prothese bei der Arbeit helfen, es hat sich jedoch schnell herausgestellt, dass sie mehr behindert als unterstützt. Stattdessen suchte der Küchenchef gemeinsam mit einem Staufener Metallbauer nach Lösungen, wie etwa Speisen mit nur einem Arm einfach angerichtet werden können.

Jonas Benz hat sein Traumberuf verwirklicht, trotz Handicap.

 

»Es klappt alles irgendwie, man muss nur eine Lösung finden«, bringt Benz seine Einstellung auf den Punkt, die er schon früh von seinen Eltern mitbekommen hat. Dass er trotz Handicap seinen Traumberuf erlernen kann, ist für den selbstbewussten Lehrling keine Frage.

 

»Es gibt eben nicht nur den ganz normalen Weg, an Auszubildende zu kommen« resümiert Christian Ramm, Leiter der Agentur für Arbeit, der im Rahmen der »Woche der Ausbildung« zusammen mit Dorothea Störr-Ritter, Landrätin des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, die Krone besucht. Schließlich sind es in Zeiten von historisch niedriger Jugendarbeitslosigkeit nicht mehr die Bewerber, die um einen Ausbildungsplatz kämpfen müssen, sondern die Betriebe, die teils händeringend nach Nachwuchs suchen – gerade in der Gastronomie. »Ich freue mich jedes Mal, wenn Ausbildungsbetriebe den unbequemen Weg nicht scheuen und dafür mit einer guten Nachwuchskraft belohnt werden«, lobt Störr-Ritter. Und so wird der Auszubildende in der Küche auch nicht geschont, sondern wie jeder andere Mitarbeiter behandelt.

 

Benz ist sich sicher, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Wie es nach der Ausbildung weitergeht, steht für ihn auch schon fest: sich so früh wie möglich selbstständig zu machen.

 

Text & Fotos: Tanja Bruckert