Millionengrab im Wald

 

 

Die WM war es nicht, die den Journalisten Adrian Geiges dazu brachte, nach Brasilien zu ziehen. Der Grund für seinen Aufbruch liegt weiter zurück und hat viel mit Freiburg zu tun: Denn hier interessierte er sich als Schüler für den Marxismus und lernte dabei Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm kennen, der damals DKP-Vorsitzender in Freiburg war. Knapp 40 Jahre später sollten diese beiden Geiges Neugier auf Brasilien wecken, denn sie engagieren sich für Amazonas-Indianer und helfen mit dem Kinderhilfswerk ourchild, Kindersoldaten in den Favelas zu resozialisieren.

 

So kam es, dass Geiges nun seit einem Jahr in einer Favela in Rio wohnt. Und so ist er doch mitten in den WM-Trubel geraten. Denn bald nach einem Besuch in Manaus, wo im Regenwald ein millionenschweres Stadion ohne weiteren Verwendungszweck gebaut wird, begann es überall zu brodeln: Immer mehr Leute gingen auf die Straße, um gegen die Verschwendung und für mehr Bildung und Sicherheit zu demonstrieren. Geiges nutzte die Gunst der Stunde zu hautnahen, sehr persönlichen Reportagen über die Ereignisse. Herausgekommen ist ein spannendes und informatives Buch über ein Land, das in jeder Hinsicht im Aufbruch ist. Die sehr persönlichen Schilderungen, etwa die, ob man in Brasilien mehr Spaß am Sex hat als andernorts, muss man hingegen mögen.

 
Text: Erika Weiser

 

 

Brasilien-brennt-grossAdrian Geiges
Brasilien brennt
296 Seiten, gebunden
Quadriga, 2014
19,99 Euro