Richtig lernen kann man den Beruf, den Dieter Bös seit über 40 Jahren ausübt, wohl kaum: Der 59-Jährige, der schon als Schüler kleinere Folk-Konzerte veranstaltete, bringt Musikstars in den Süden Deutschlands. Für Festivals wie das Southside, Rock am See, das Stimmen-Festival und auch das heimische ZMF ist der Mann mit dem abgebrochenen Literaturwissenschafts-Studium als Booker tätig. Mit chilli-Redakteur Felix Holm hat er über seinen Job und dessen Begleiterscheinungen gesprochen.

 

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chilli: Herr Bös, Sie hatten im Lauf der Jahre Kontakt zu unterschiedlichsten Bands. Mit wem von den ganz Großen haben Sie denn schon ein Bier getrunken?

Bös: Das ist schwierig. Zum einen bin ich kein Biertrinker zum anderen: Wer sind die ganz Großen? In der deutschen Szene habe ich unter anderem die Toten Hosen, die Ärzte, die Beatsteaks, Herbert Grönemeyer, Ulla Meinecke und Hannes Wader kennengelernt. Status Quo würde ich sogar als Freunde bezeichnen, mit denen war ich lange auf Tournee.

 

chilli: Mit Rock’n’Rollern auf Tour gehen aber kein Bier trinken? Wie geht das?

Bös: Das hat sich so ergeben. Ist nicht so meine Welt. Aber ich trinke gerne mal einen guten Wein.

 

chilli: Und haben Sie mal mit dem einen oder anderen hinter der Bühne einen richtigen Absturz erlebt?

Bös: Auf keinen Fall. Nie. Ein Profi stürzt nicht ab.

 

chilli: Muss man Bands vorher selbst einmal live gesehen haben, bevor man Sie für einen Act bucht?

Bös: Naja. Ich muss Robbie Williams nicht gesehen haben, um ihn zu buchen. Bei einem ZMF-Programm ist es hingegen ungleich wichtiger, dass man sich auf dem Laufenden hält und nach interessanten, neuen Bands schaut. Aber ich muss gestehen: So sehr ich mich gefreut habe, dass ich Gregory Porter für die Eröffnung buchen konnte – ich habe ihn auch noch nicht live gesehen.

 

chilli: Hat sich das Geschäft des Bookers in den vergangenen Jahren verändert? Man hört ja, dass Bands wieder mehr auf die Bühne wollen, um das Geschäft anzukurbeln…

Bös: Das Geschäft hat sich an sich verändert. Die Beobachtung ist richtig, die Live-Präsenz ist ungleich stärker geworden. Dazu sind in den vergangenen 20 Jahren sehr viele neue Events im Kalender dazugekommen. Früher waren ZMF und Rock am See ja sozusagen Solitairveranstaltungen. Heute gibt es an fast jedem Wochenende im Sommer Konzerte.

 

chilli: Trotz dem breiteren Angebot haben aber auch die Konzertpreisen angezogen.

Bös: Alles hat angezogen: Die Benzinpreise, die Lebensmittelpreise, die Mieten, die Hotelpreise. Das sind alles Kosten, die die Bands auch treffen. Und wenn ich eben weniger CDs und Platten verkaufe muss ich einen Teil der entgangenen Einnahmen im Live-Markt erwirtschaften.

 

chilli: Das Southside ist ja ein Festival, das zeitgleich als Hurricane in Norddeutschland stattfindet. Wo erkennt man im umfangreichen Line-Up Ihre persönliche Handschrift?

Bös: Die findet sich nicht. Da gibt es nur Einflüsse und Tipps. Dass Arcade Fire ein toller Headliner sind ist klar. Das Line-Up ist ein Gesamtkunstwerk, bei dem sich verschiedene Leute austauschen und sich dann freuen, wenn Bands wie Tocotronic oder die Black Keys zusagen.

 

chilli: Apropos Southside: Täuscht es, oder fehlen da in diesem Jahr die ganz großen Namen?

Bös: Ich bin jemand, der seit Jahren – relativ erfolglos – gegen diese Headlinerhörigkeit ankämpft. Damit bin ich auch schon abgestraft worden, weil eben der große Name gefehlt hat. Aber Gott sei Dank funktioniert das Southside und sein Publikum anders. Die Leute haben kapiert, dass es Spaß macht, Leuten wie Tom Odell oder Angus & Julia Stone zuzhören. Neue Namen, die man noch nie gehört hat – da gibt es so viel zu entdecken. Und Arcade Fire oder Volbeat sind schon große Namen.

 

chilli: Und jetzt geben Sie unseren Lesern doch bitte noch einen exklusiven Hinweis, auf was sie sich bei Rock am See freuen dürfen.

Bös: Es verdichtet sich. Ich habe gerade eine Mail bekommen: Unser geplanter Headliner tut sich noch ein wenig mit den Programmvorschlägen schwer, die ich um in herum gebastelt habe. Noch haben wir keine offizielle Confirmation, ich hoffe aber, dass wir vor Ostern bekannt geben können, wer es ist.

 

chilli: Ist es ein ganz großer Name?

Bös: Für mich auf jeden Fall.

 

INFOS:

 

Southside-Festival

Southside-Stimmung-2-2014

 

Mit: Arcade Fire, Volbeat, Seeed u.v.m.

Wo: Neuhausen ob Eck

Wann: 20. bis 22. Juni

Wie viel: 156 Euro für drei Tage

Netz: www.southside.de

 

Freiburger Zeltmusikfestival ZMF

ZMF_Polkowski

 

Mit: Sportfreunde Stiller, Dieter Thomas Kuhn, Zaz u.v.m.

Wo: Mundenhofgelände Freiburg

Wann: 16. Juli bis 3. August

Wie viel: variierende Preise

Netz: www.zmf.de

 

Rock am See

Rock-am-See-Stimmung-2

 

Mit: t.b.a.

Wo: Bodenseestadion Konstanz

Wann: 6. September

Wie viel: maximal 65 Euro

Netz: www.rock-am-see.de