Ab heute läuft: Freistatt

 

Als sie ihn finden, ist es zu spät. „Im Dunkeln ist der Mohr halt nicht gut zu sehen“, lautet der zynische Kommentar des Erziehers Bruder Wilde, als der afrodeutsche „Zögling“ Anton eines Nachts im Schlafsaal der Erziehungsanstalt Freistatt gefunden wird. Er hat sich erhängt – nach jahrelanger brutaler Misshandlung, unerbittlicher Erniedrigung und erschöpfender Arbeit im nahe gelegenen Moor. Trauer und Entsetzen löst der Selbstmord des Leidensgenossen bei den Jugendlichen Insassen aus und eröffnet den  Weg in eine Revolte, an deren Ende Bruder Wilde auf dem Boden liegt.

 

 

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Die Geschichte von Wolfgang und Anton ist keine Erfindung der Macher dieses ungewöhnlich dramatischen und erschütternden Films. In den 1950er und 60er Jahren kamen Tausende von Kindern und Jugendlichen in die Obhut staatlicher Fürsorge, weil sie „nicht artig“ waren – und verkümmerten jahrelang in meist kirchlichen Einrichtungen, deren „Pädagogik“ häufig unbesehen aus der NS-Zeit übernommen worden war.

 

Wie nahtlos der Übergang war, wird in der bedrückenden Filmszene deutlich, da die Jungs zum Morgenappell antreten müssen, um dann zum täglichen Torfstechen ins Moor zu ziehen – mit dem Lied von den Moorsoldaten, das schon die Häftlinge des Konzentrationslagers Börgermoor sangen.

 

Regie: Marc Brummund

Mit: Louis Hofmann, Langston Uibel, Alexander Held u.a.

Verleih: Edition Salzgeber

Laufzeit: 104 min

Start: ab 25. Juni 2015

Text: ewei / Foto: Salgeber