Krieg, religiöse Extremisten, Scharia oder politische Unterdrückung – das alles würde man intuitiv mit dem Iran verbinden. Drei Studenten der Universität Freiburg sind 2013 nach Isfahan gereist, um sich selbst ein Bild von Freiburgs Partnerstadt zu machen. Daraus ist einen Film entstanden: „Freiburg – Isfahan – Eindrücke einer umstrittenen Partnerschaft“. Er wird am Montag, 22. Juni, an der Universität gezeigt.

 

Seit dem Jahr 2000 sind Freiburg und Isfahan Partnerstädte. Fünf Jahre später stand die deutsch-iranische Verbindung auf der Kippe. Darf man eine solche Partnerschaft fortsetzen, wenn ein Staat öffentlich den demokratischen Werten der Bundesrepublik widerspricht und andere Länder wie Israel bedroht? 2013 haben sich die drei jungen Freiburger Tristan Stöber, Jan Wohlfahrt und Alexander Hausen auf den Weg in die umstrittene Partnerstadt gemacht. Sie wollten sich ihr eigenes Bild von Isfahan machen.

 

Alles begann mit dem Wunsch Wohlfahrts, in der 1,75-Millionen-Stadt ein Auslandsemester zu machen. Das Vorhaben scheiterte aber, die politische Lage war zu instabil. Dann lernte er Tristan Stöber kennen, dem die Idee gefiel. Doch die Möglichkeiten an der Universität Isfahan für die beiden Wissenschaftsstudenten waren begrenzt, sie mussten das Projekt aufgeben. Die Idee einen Film zu drehen, entstand durch ihre Begegnung mit Hausen, der gerade in Indien war und dort gefilmt hatte. Wohlfahrt und Stöber waren begeistert zu sehen, was man mit einer einfachen Spiegelreflexkamera alles machen kann. Das war der Anfang einer mehrwöchigen „total beeindruckenden“ Orientreise. Im Sommer 2013 machten sich die drei mit ihrer Kamera auf Richtung Iran.

 

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„Das Besondere am Iran ist: Man hat erst mal den Eindruck hat, dass, das was man im Vorfeld erwartete, überhaupt nicht stimmt“, erzählt der 26-jährige Tristan Stöber. Das Leben in Isfahan scheint ganz normal: kaum Zeichen von Armut, dafür Geschäfte, die trotz der internationalen Isolation Irans weitergehen, gut gekleidete Leute und gepflegte Infrastrukturen. Was ihm besonders auffiel, ist die Gastfreundschaft der Iraner. „Wir wurden von der Straße in die Häuser gezogen“, sagt der Neurowissenschaftsstudent. Manche Einladungen mussten sie ablehnen, weil sie ständig zum Tee oder zum Essen geladen wurden.

 

Obwohl die Leute eigentlich gern mit ihnen gesprochen haben und sie eine Drehgenehmigung für die Sehenswürdigkeiten hatten, war es ein schwieriges Projekt. „Es war nicht klar, unter welchen Bedingungen wir filmen dürfen“, erinnert sich Stöber. Im Endeffekt gab es aber nur einen Ort, an dem sie nicht filmen dürfen: die Uni. Die Studenten haben sie für Interviews einfach außerhalb der Uni getroffen.

 

Ein anderes Problem war, dass sie mit einem sehr vagen Drehbuch gefilmt haben. Denn sie wussten nicht im Voraus, was sie vor Ort finden würden. Ohne roten Faden hat der Schnitt sehr lang gedauert: von September 2013 bis Februar 2015. Aus 30 Stunden Rohmaterial wurden 35 Minuten Film. Umso schwieriger war es, dass alle in verschiedenen Ländern sind: Alexander in Kopenhagen, Jan in San Diego und Tristan in Deutschland.

 

Um das Material sicher über die Grenze zu bringen, sind sie auf verschiedenen Wegen nach Deutschland gereist. Alles klappte problemlos. Seit ihrer Rückkehr hat sich die Situation vieler Iraner kaum verändert: Für die meisten, die den Entscheidungen der Regierung nicht zustimmen, bleibe die Sehnsucht nach dem Ausland ziemlich groß, sagt Stöber. Für diese Menschen sei die Partnerschaft ein Fenster zu einer anderen Welt.

 

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Heute, fast zwei Jahre nach der Reise in Irans zweitgrößte Stadt ist die Dokumentation der Freiburger Studenten weiterhin aktuell. Derzeit verhandelt der Iran mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland über ein Atomabkommen. Die Lage scheint sich zu entspannen. Der Dokumentarfilm bietet mit eindrucksvollen Bildern und Interviews aus Isfahan und Freiburg einen selten Einblick in das oft kritisierte Land. Auch die drei Filmmacher kommen darin mehrfach zu Wort.

 

Die Partnerschaft Freiburg-Isfahan wurde gerade erst mit neuen Leben gefühlt: Mitte Juni war der achte Partnerschaftsmarkt auf dem Freiburger Rathausplatz. Auch ein Stand aus Isfahan war vertreten.

 

 

Info

Der 35-minütige Film wird am Montag, 22. Juni, an der Universität gezeigt. Start im HS2006 im  Kollegiengebäude 2 ist um 20 Uhr gezeigt. Der Eintritt ist frei. Nach dem Film gibt es eine Diskussionsrunde mit den drei Filmemachern.

 

Text: Laure Etienne; Bilder: privat & an37k_pixelio.de