Veganer werden in einem Monat – geht das?

Wir haben es ausprobiert und das Buch „Vegan for Fit“ von Attila Hildmann
zu unserer Nahrungsbibel gemacht. Wie sich die Umstellung anfühlt, schildert chilli-Autor Steve Przybilla in seinem Protokoll des Hunger(n)s.


Ziel: Diät-Sensation, Fitnessprogramm, Jungbrunnen: Nicht schon wieder! Doch Moment: Attila Hildmanns „30-Tage-Challenge“ zielt nicht nur auf purzelnde Kilos ab, sondern will Fleischfresser zu Veganern umformen – in nur 30 Tagen. Weil das wohl immer noch zu einfach ist, fallen auch „chemische Zusatzstoffe“ aller Art weg. Im Klartext: kein Fleisch, kein Käse, kein Zucker, kein Weißmehl (= keine Nudeln). So soll aus jedem Probanden ein echter Adonis werden: knackig, reinhäutig, gut gelaunt und sexuell allzeit bereit.

Vorbereitung: Allein die Lektüre beansprucht zwei Tage. Matcha, Amaranth, Agaven-Dicksaft: Was bitte soll das sein? Und wo bekommt man das Zeug? Ein normaler Supermarkt tut’s nicht, im Bio-Laden werde ich fündig. Der erste Schock: Das weiße Mandelmus kostet 9,90 Euro – wird also durch „normales“ Nussmus für fünf Euro ersetzt. Der Matcha stellt sich als spezielle Tee-Sorte heraus, die – festhalten! – 17,99 Euro im 30-Gramm-Pack kostet (ich substituiere mit Teebeuteln). Der Rest geht relativ flott. Ob‘s auch schmeckt?

Woche 1: Die ersten Tage sind hart. Ja, das ganze Gemüse macht satt. Aber da ist auch noch der innere Hunger – was gäbe ich jetzt für ein saftiges Schnitzel! Von Kraftzuwachs und endloser Energie keine Spur. Doch ich bleibe tapfer, kredenze mir ein Tofu-Rührei (bäh!), zaubere in dreistündiger Arbeit eine Lasagne, deren Platten aus fein geschnittenen Zucchini-Scheiben bestehen. Das Resultat nach einer Woche: ein Kilo weniger und das dringende Bedürfnis nach einem Steak!


Woche 2: Herr vergib mir, ich habe gesündigt. Kein Fleisch, aber Nudeln mit Pesto und Parmesan. Sehr lecker. Aber so gut nun auch wieder nicht. Allmählich stelle ich fest, dass die „Challenge“ so schlecht gar nicht ist. Ich ertappe mich dabei, wie ich im Internet diverse Shops nach dem besten Fleisch-Ersatz durchforste (Tofu? Seidentofu? Seitan). Zu Weihnachten backe ich sogar vegane Vanillekipferl (und keiner merkt’s). Allerdings ist schnell klar, dass diese Lebensweise nicht nur guten Willen, sondern auch viel Zeit erfordert. Mal eben eine vegane Falafel in der Mittagspause zaubern? Wohl kaum.

Woche 4: An die Regeln halte ich mich nur noch teilweise, aber an die Hauptprinzipien (möglichst gesund, möglichst natürlich, möglichst vegan) schon. Ja, der Körper fühlt sich leichter und fitter an. Nein, die Model-Haut und die omnipräsente Superlaune sind nicht eingetreten. Und der Sextrieb? No comment.

Fazit: Am Anfang war die Umstellung ein Schock – vor allem beim Blick ins Portemonnaie. Doch wenn man einmal den Dreh raushat und die „Grundnahrungsmittel“ der Attila-Küche besitzt, relativiert sich die Rechnung. So wird das teure Nussmus wahrscheinlich das ganze Jahr reichen, während Fleisch natürlich auch seinen Preis hat – sowohl finanziell als auch im Hinblick auf die Umwelt. Ein Vollblut-Veganer bin ich nicht geworden, eher ein Flexiganer. Ich picke vermehrt die gesunden Dinge aus dem Regal, esse bewusster – und gönne mir trotzdem ab und zu ein Schnitzel. Challenge gescheitert? Vielleicht, aber trotzdem viel gelernt!


Text: Steve Przybilla / Fotos: © Steve Przybilla, istockphoto.com