Der Sky Marshal Ihres Vertrauens

Sky Marshals, im Amtsdeutsch: Flugsicherheitsbegleiter, sollen verhindern, dass Flugzeuge entführt werden oder andere Verbrechen an Bord geschehen. In einem internationalen Ranking von Sky Marshals würde Bill Marks (Liam Neeson) wahrscheinlich sehr weit hinten rangieren. Vor dem nächsten Einsatz gießt er sich im Auto erst einmal einen Becher Brandy hinter die Binde, umgerührt mit einer Zahnbürste. Dann schlurft er zu dem Transatlantikflug, den er schützen soll. Mustergültig gebrochen kommt der glänzend verkörperte Antiheld des Action-Thrillers „Non-Stop“ daher, damit er angesichts massiver Drohungen eines Erpressers, das Flugzeug zu sprengen, umso weiter über sich hinauswachsen kann. Nervenkitzel stellt sich durchaus ein, er reicht jedoch nicht an Liam Neesons und Jaume Collet-Serras erste Zusammenarbeit „Unknown Identity“ heran.

Bill Marks (Liam Neeson) wird vom Bodenpersonal verdächtigt, selbst der Entführer zu sein - und bald auch von den Passagieren.

 

Kaum hat der eigentlich von Flugangst geplagte Marks nach dem Start die verkrampften Hände von den Sitzlehnen gelöst, bekommt er schon seltsame Textmitteilungen über sein Handy gesandt. Jemand, der ihn genau zu kennen scheint, macht sich über ihn lustig und kündigt Morde an Bord an. Marks ist sofort alarmiert und versucht herauszufinden, wer dahintersteckt. Sein Kollege Marenick (Shea Whigham) scheint in die Sache verwickelt, Marks tötet ihn in einem brutalen Clinch auf Leben und Tod – doch die Textmitteilungen erhält er weiter. Der Pilot fällt einem Giftanschlag zum Opfer. Ein Koffer mit einer Bombe taucht auf und dazu die Drohung, das Flugzeug über dem Atlantik zu zerstören, sollten nicht umgehend 150 Millionen Dollar gezahlt werden. Marks benachrichtigt seine Einsatzzentrale. Dort wird man jedoch misstrauisch. Denn das Offshore-Konto, auf welches das Geld überwiesen werden soll, hat angeblich Marks eröffnet …

Marks (Liam Neeson) und Stewardess Nancy (Michelle Dockery) versuchen die Passagiere zu beruhigen.

 

„Non-Stop“ dreht gleich an mehreren Schrauben, um die Spannung kontinuierlich zu steigern. Zunehmend verzweifelt, mit vorgehaltener Waffe Passagiere von den Sitzen zerrend, sucht Marks den Erpresser im Flugzeug. Ist es der muslimische Londoner Arzt, der Englischlehrer aus Dublin oder nicht vielleicht doch Marks sympathische Sitznachbarin Jen Summers (Julianne Moore)?

Unrasiert, wirre Reden, Knarre in der Hand: Bill Marks (Liam Neeson) macht auf die Passagiere keinen vertrauenerweckenden Eindruck.

 

Gleichzeitig stellt die Bombe nicht nur für die Passagiere ein tödliches Risiko dar, sondern auch für die Behörden: Lieber wollen sie das Flugzeug abschießen als über einer Großstadt explodieren lassen. Und dann ist da noch Marks selbst, traumatisiert durch den Tod von Frau und Tochter wie auch durch die 9/11-Anschläge, bei denen er als Sicherheitsbeamter versagt haben soll. Ungläubig verfolgen die Passagiere an Bord Fernsehberichte, in denen Marks schon als Flugzeugentführer bezeichnet wird. Können sie dem Mann, der so rabiat mit ihnen umgeht und von einer Verschwörung faselt, irgendwie vertrauen? Entpuppt er sich nicht gerade als gefährlicher Irrer?

Hilft Jen Summers (Julianne Moore) wirklich Bill Marks oder treibt sie ein doppeltes Spiel?

 

Bei weitem fällt „Non-Stop“ nicht so abgründig und aufreibend aus wie „Unknown Identity“, den Action-Star Liam Neeson und Regisseur Jaume Collet-Serra vor drei Jahren gedreht haben. Wie eine Autopilot-Funktion nehmen die Autoren des Drehbuchs Versatzstücke der legendären „Airport“-Filmreihe in Dienst. Story-Signale für eine weiche Landung interferieren deshalb nachteilig mit turbulenten Zweikämpfen und Marks´ aufgepeitschter Psyche. Trotz der wirren Erklärung für alles ist „Non-Stop“ aber keine Mogelpackung wie vor Jahren Robert Schwentkes „Flightplan – Ohne jede Spur“. Und man wird emotional schon recht ordentlich durchgeschüttelt.

 

Text: Andreas Günther / Fotos: © Studiocanal
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Non-Stop
Genre: Thriller
Freigabealter: 12
Verleih: Studiocanal
Laufzeit: 106 Min.