Bilbo am Spielfeldrand

Alles hat ein Ende – auch der von Regisseur Peter Jackson auf drei Teile aufgeblasene Jugendbuch-Ausflug nach Mittelerde. Das Finale der „Hobbit“-Trilogie wird seinem martialischen Namen „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ (2014) natürlich voll und ganz gerecht. Wobei der putzige, im letzten Teil etwas zwiespältig intrigierende Titelheld angesichts des Endkampfs von Zwergen, Elfen, Orks und Menschen fast zum Nebendarsteller degradiert wird. Aber wie bei jedem an die Substanz gehenden Kräftemessen fühlt man sich zum Schluss geplättet, überwältigt, ausgelaugt – und auch ein wenig traurig. Vor dem großen Abschiednehmen – episch inszenierte Heldentode und verschämte Liebestränen inklusive – müssen die staunenden Zuschauer aber ihr Sitzfleisch malträtieren. Denn der Zeremonienmeister Jackson hat keine Scheu davor, als „Schlachtenbummler“ in die Filmgeschichte einzugehen.

Bilbo Beutlin (Martin Freeman) verheimlicht seinen Zwergen ein Geheimnis.

 

Trotz der atemberaubenden Würzung der aufgetischten Schlachtplatte erlaubt sich das Saga-Finale um Bilbo Baggins (Martin Freeman) und seine 13 Zwergen-Gefährten immer wieder, zum von vielen Fans bekrittelten Schleichtempo des ersten Teils „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (2012) zurückzukehren. Dort erzählte man eigentlich nicht viel mehr als – nun ja – vom Aufbruch des Zwergen-Trupps in eine ungewisse, gefährliche Zukunft. Dynamischer angelegt war Film zwei – „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (2013) -, in dem zumindest durch eine rasante Wildwasserfahrt in Fässern und der ersten unheimlichen Begegnung mit dem feuerspuckenden Großreptil Smaug dramaturgisch, optisch und durchaus auch akrobatisch Außergewöhnliches gezeigt wurde – bei deutlich mehr Drive. Teil drei lässt sich viel Zeit, um wenig zu erzählen. Mehr hat die Buchvorlage eben auch nicht mehr hergegeben.

Gandalf (Ian McKellen) und der Bogenschütze Bard (Luke Evans, rechts) fürchten den Angriff der Orks.

 

Der eigentlich abenteuerreiche Einstieg in den Film ist recht schnell abgehandelt: Im eisig-tristen Wasser-Städtchen am Fuße des großen Schatzberges Erebor wütet nun der unvorsichtigerweise geweckte Drache Smaug und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Trotzdem kann er in letzter Minute durch einen Meisterschuss des Bogenschützen Bard (Luke Evans) getötet werden. Zwergen-Anführer Thorin Eichenschild (Richard Armitage), der mehr und mehr zum eigentlichen Protagonisten des letzten Handlungsdrittels wird, hat sich in die gigantische Höhlen-Schatzkammer verkrümelt – auf zunehmend verzweifelter Suche nach dem mythischen Arkenstein, der seiner Zwergen-Herrschaft uralte Legitimität verschaffen soll.

Elfen-König Thranduil (Lee Pace) weiß lange nicht so recht, auf welche Seite er sich schlagen soll.

 

Was Thorin nicht ahnt: Ausgerechnet der pfiffige Hobbit, der ja ursprünglich wegen seiner diebischen Fingerfertigkeit mit auf die Reise genommen wurde, hat sich des Steins bemächtigt – eine weitere unheilvolle Heimlichkeit, wie man sie ja schon vom magischen Ring kennt, der die Handlung der großen „Herr der Ringe“-Trilogie prägen soll. Tatsächlich stellt sich das Verstecken des Arkenstein als ein perfider, aber auch hochriskanter, weil im Kern eben doch verräterischer Trick von Bilbo heraus: Er will – seiner Logik folgend – im letzten Moment „Frieden stiften“.

Erebor ist nicht nur der Bestimmungsort der Zwerge, sondern auch Schauplatz erbitterter Kämpfe.

 

Und wirklich hat sich die Kunde von der geöffneten unermesslich reich bestückten Schatzkammer, die ohne den getöteten Smaug schutzlos ist, wie in Windeseile verbreitet. Nicht nur die See-Bewohner, sondern auch die Elfen, angeführt von König Thranduil (Lee Pace) marschieren auf die Bergschlucht zu. Wenn dann auch Tausende von furchterregenden Orks anmarschieren, die der finstere Zauberer Sauron in Marsch gesetzt hat, geraten die Schlachtreihen komplett durcheinander: Nun kämpfen Zwerge, Elfen und Menschen gegen teuflische Monster. Und das zieht sich.

König Thorin (Richard Armitage) ist der eigentliche Hauptdarsteller des dritten "Hobbit"-Films.

 

Pluspunkt des in technischer Hinsicht erstklassigen und bis in alle Details beeindruckend kostbar produzierten Films, für den viele Zwergen-Schätze eingeschmolzen werden mussten, sind natürlich einmal mehr die grandiosen Schauwerte – mit fantastischen Bauten, großartigen Kampf-Choreografien (schrecklich, aber fast ohne Blut!) und wirklich archaischen Landschaften. Ein paar Überraschungseffekte hatten sich Jackson und sein Art-Direction-Team noch im Trumpf-Ärmel belassen – darunter Tier-Titanen (zu Land und in den Lüften) sowie Kampf-Riesen, die von fern an die Elefanten-Roboter aus der „Star Wars“-Welt erinnern. Trotz allem fehlt der Handlungsführung ein wenig das Herz – und der Mut zu Raffungen. Vor allem wenn man – wie vermutlich sehr viele einstige „The Hobbit“-Leser – ohnehin weiß, wie das Märchen endet.

 

Text: Rupert Sommer / Fotos: © 2014 Warner Bros. Ent. Inc. All Rights Reserved.
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

"Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere" (2014) bringt die Trilogie um Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und die 13 Zwerge zu einem guten, wenn auch etwas langatmigen Ende.

 

 
 
 
Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: The Hobbit: The Battle of the Five Armies
Genre: Fantasy
Freigabealter: 12
Verleih: Warner
Laufzeit: 144 Min.