Do it yourself!

Wenn sich ein schüchterner Masseur und eine Küchenhilfe mit Alkoholproblem verlieben, dann kann daraus ein selten schöner Film des jungen Deutschen Kinos werden. Ein Psychogramm der anderen Art, das seine Spannung unter anderem daraus bezieht, dass die Hauptfiguren völlig unterschiedliche Lebensvorstellungen haben. Ansonsten ist auch die Machart überaus erfrischend: Als Basis für „Love Steaks“ diente kein fertiges Drehbuch mit ausformulierten Dialogen, sondern es wurden eher grob skizzierte Szenen durch die Improvisation der Schauspieler beim Dreh weiterentwickelt. Das Experiment ist gelungen.

Liebe, echt und radikal: Ein Paar wie Clemens (Franz Rogowski) und Lara (Lana Cooper) hat man im Kino noch nicht gesehen.

 

Ein Kurhotel an der Ostsee: Clemens (Franz Rogowski) hat eben erst die Stelle als Masseur angetreten. Er tut sich nicht leicht, wenn es um die Annäherung an andere Menschen geht. Er ist ein hübscher Kerl, aber furchtbar schüchtern. Lara (Lana Cooper), die in der Hotelküche arbeitet, ist ein völlig anderer Typ: respektlos und enthemmt, ohne Angst vor Autoritäten; außerdem trinkt sie gern. Die beiden Außenseiter begegnen sich zum ersten Mal im Aufzug: „Du stinkst!“ ist das erste, was Lara zu Clemens sagt. Romantische Begegnungen sehen anders aus, zumindest im konventionellen Romantik-Kino.

 

Regisseur Jakob Lass, der sein Handwerk an der Filmhochschule in Babelsberg gelernt hat, geht hier bewusst einen anderen Weg. Ganz allmählich, in ähnlich spröden Begegnungen wie der ersten, kommen sich Lara und Clemens näher. Zwischen Abstellkammern und Lagerräumen bemerken sie gegenseitige Anziehungskräfte, die für beide überraschend sind. Doch Laras Alkoholproblem wird dadurch nicht gelöst, und Clemens gerät an seine Grenzen.

Küchenhilfe Lara (Lana Cooper) ist alles andere als angepasst.

 

Was „Love Steaks“ auszeichnet, ist die direkte, unverblümte Art der Inszenierung, die dokumentarischen Charakter hat. Hier gibt es keinen Kitsch und hohle Dialoge, viele Szenen zwischen Lara und Clemens brauchen keine Worte, stattdessen wird gestreichelt – und geschlagen. So viel Radikalität darf sein. Es ist das scheinbar unverfälschte Leben, das die Kamera von Timon Schäppi mit monochromen Bildern einfängt. Zusammen mit Jakob Lass hat er schöne Motivideen entwickelt: Wild wippende Ananas auf der Ablage hinten im Auto, untermalt von lauter Rockmusik, zeigen zum Beispiel eine Lara, die durch den Alkohol mal wieder die Kontrolle verloren hat.

 

Um eine größtmögliche Authentizität zu erreichen, mussten die beiden brillanten Hauptdarsteller vor dem Dreh im Hotel ein Praktikum absolvieren; die Mitarbeiter des Hotels spielen sich selbst. Auch das ist großartiger Realismus. Respekt verdient die Tatsache, dass Jakob Lass und sein Team diesen Low-Budget-Film bewusst ohne Fördergelder gedreht haben. Sie wollten frei und unbestimmt ihr eigenes Ding machen.

Die Ostsee dient der etwas anderen Liebesgeschichte als Kulisse.

 

Nicht ohne Ironie haben sie ihr Konzept des Filmemachens in Anlehnung an Lars von Triers „Dogma“-Manifest „Fogma“ genannt. Der große Abräumer des letztjährigen Münchner Filmfests, der beim „Förderpreis Neues Deutsches Kino“ in allen vier Kategorien die Preise einheimste, gewann auch den Hauptpreis beim diesjährigen Max-Ophüls-Festival als bester Langfilm.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: © Daredo Media / Timon Schäppi
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Daredo
Laufzeit: 90 Min.