Glaubt man den Verantwortlichen von Gentechnik-Konzernen und Agrar-Industriellen, dann ist die Ernährung der Menschheit für alle Zeiten gesichert. Valentin Thurn jedoch glaubt solchen Versprechen nicht. Der Filmemacher („Taste The Waste“) kennt die Fakten: Hunger ist schon jetzt ein Riesenproblem auf der Welt, dass sich mit der explodierenden Bevölkerungszahl in ein paar Jahren drastisch verschärfen wird. In seinem Dokumentarfilm „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ forscht Thurn nach den Ursachen des Hungers und beschäftigt sich mit der Frage, wie er wirksam bekämpft werden kann. Am Montag, 20. April, um 19 Uhr ist er im Freiburger Friedrichsbau zu Gast, um seinen Film vorzustellen und ihn im Anschluss mit dem Publikum zu diskutieren.

Sind Insekten die Lösung? Filmemacher Valentin Thurn (links) geht der Frage nach, wie zehn Milliarden Menschen satt werden können.

 

Valentin Thurn präsentiert den Film als Ich-Erzähler und reist, mit einer gesunden Portion kritischer Neugier ausgestattet, um den Globus. Dabei nähert er sich seinem Thema mit lobenswertem Engagement, allerdings nicht unvoreingenommen. Der Mann hat eine Agenda, die er mit beruhigender Erzählstimme und suggestiver Cleverness verfolgt.

 

Hybrid-Pflanzen, künstlicher Dünger, rapide steigender Fleischkonsum, Monokulturen, Spekulationswahnsinn an der Lebensmittelbörse: Valentin Thurn hat seine Hausaufgaben gemacht. Er kennt die Probleme, die in immer kürzer werdenden Abständen zu Hungersnöten in der dritten Welt führen, während die Menschen in den Industrienationen immer fettleibiger werden. Thurn nennt sie auch beim Namen – mit Bildern und Interviews, die bitteres Kopfschütteln hervorrufen.

In Kanada werden Lachse genetisch so verändert, dass sie sechsmal schneller wachsen.

 

Dabei spielen ihm seine Gesprächspartner bereitwillig in die Karten. Ignoranz, Unwissenheit, Profitgier, böswillige Täuschung, Unwissenheit: Ganz unverblümt demaskieren sich Soja-Farmer in Mosambik, Hühnchen-Fabrikanten in Indien, Konzernvorstände in Leverkusen, Börsengurus in Chicago.

 

Es ist beruhigend, dass Thurn als gewiefter Pädagoge für jeden Problembereich eine Lösung präsentiert und dadurch den Schmerz lindert, den die Dummheit der Menschen verursacht. Er findet auf der ganzen Welt zahlreiche nachhaltige Methoden, die im Kleinen große Veränderungen bewirken könnten. Saatgutbanken für Reis in indischen Dörfern, Guerilla-Gärtner in englischen Städten, Direktvermarktungs-Konzepte in Deutschland.

Hybrid-Pflanzen aus den Labors sind für Umwelteinflüsse anfälliger als alte Sorten. Und sie machen die Bauern abhängig von den Agrar-Konzernen.

 

„10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ ist ein flammendes Plädoyer für Unabhängigkeit von Lebensmittelkonzernen, für Nachhaltigkeit und Demut. Lokal handeln und global denken, so lautet Thurns Devise. Denn Zukunftskonzepte wie sterile Fabriken in Japan, in denen Salat ohne Erde angebaut wird oder künstliches Hackfleisch aus den Niederlanden sind auch keine Lösung für den Hunger der Welt: Solche Lebensmittel können sich nur die Reichen leisten.

 

Ganz ehrlich: Viel Neues hat Thurn nicht zu berichten. Zahlreiche Dokus in der Bildungsprogrammschiene der Öffentlich-Rechtlichen haben sich in den vergangenen Jahren mit den einzelnen Aspekten des Films beschäftigt. Aber es würde natürlich nichts schaden, wenn der Dokumentarfilm ein breites Publikum findet, schon aus didaktischen Gründen. Vielleicht kommt mit dem Prinzip der Wiederholung das Problem der kollabierenden Welternährung endlich im Bewusstsein der Menschen an. Zeit wird’s auf jeden Fall.

 

Text: Andreas Fischer / Fotos: © 2015 PROKINO Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Mit der Weltbevölkerung wächst der Hunger: Valentin Thurns Dokumentarfilm "10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?" sucht nach Lösungen, ihn wirksam zu bekämpfen.

 

 

 

 

 

 

 

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 0
Verleih: Prokino
Laufzeit: 107 Min.