Der „gleiche Scheiß“, nur anders

Darf man das? Nach der Verballhornung des Hollywood-Reboots eine Verballhornung des Hollywood-Sequels folgen lassen? Schnell abgedroschen könnte ein solches Vorhaben sein, auf „Scary Movie“-Art verbraucht. Jonah Hill und Channing Tatum gingen zweifellos ein Risiko ein, „22 Jump Street“ zu drehen und mit zu produzieren. Von einer Angespanntheit ist in der Buddy-Cop-Komödie allerdings nichts zu merken. Die Lächerlichkeit des Konzepts hält einfach zu viele Türen für unheimlich gute, selbstironische Gags offen. Und Hill und Tatum durchschreiten diese mit höchstem Genuss.

Zum College-Leben gehört natürlich auch Spring Break: Schmidt (Jonah Hill, links) und Jenko (Channing Tatum) sind gewappnet für die große Sause.

 

Wenn Hollywood nichts mehr einfällt, werden alte Erfolge aufgewärmt. Mit „21 Jump Street“ war dies 2012 nur bedingt der Fall. Denn mit der Teenie-Cop-Serie, die Johnny Depp einst zum Star machte, hatte das Reboot nur Plot-Grundgerüst und Titel gemein. Jonah Hill und Co. benutzten ihre Wiederauflage vielmehr dafür, sich über die der anderen lustig zu machen.

Eier in der Hose: Schmidt (Jonah Hill, links) und Jenko (Channing Tatum) leben ihren Erfolg aus "21 Jump Street" anfangs noch aus.

 

Ein großer Teil des Witzes war subtil, man scheute sich aber auch nicht davor, die Lächerlichkeit des Wiederaufwärmens direkt anzusprechen. Weil den obersten Polizei-Chefs nichts mehr Neues einfalle, würden man nun einer Idee aus den 80-ern nachgehen und den „alten Scheiß wieder aufleben lassen müssen“, referierte damals Deputy Chief Hardy (Nick Offerman) vor den Greenhorns Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum). Die Analogie zur Arbeitsweise der Traumfabrik könnte nicht offensichtlicher sein. Die Folge war ein Undercover-Auftrag in einer High School, um einen dortigen Drogenring auszuhebeln – ähnlich wie in der Johnny-Depp-Serie eben.

Schmidts (Jonah Hill) Affäre mit der Studentin Maya (Amber Stevens) wird ihm noch zum Verhängnis.

 

Weil das nun mal so gut geklappt hat und eben die Anzahl der Kinobesucher stimmte, dürfen sich Schmidt und Jenko nun wieder als Schüler tarnen, diesmal allerdings nicht auf der High School, sondern am College. Einsatzleiter Captain Dickson (Ice Cube) warte mit weiteren Anweisungen auch nicht mehr in der 21 Jump Street auf die beiden Dumpfbacken, sondern hat aufgrund des Erfolges der Abteilung mittlerweile das größere Gebäude gegenüber bezogen – 22 Jump Street, versteht sich. Und so zieht die Geschichte ihre Bahnen: Dickson ist weiterhin zum Schreien cholerisch, Jenko ist weiterhin zum Schreien doof und Schmidt ist weiterhin zum Schreien unsicher.

"Den gleichen Scheiß einfach nochmal": Deputy Chief Hardy (Nick Offerman, links) macht klar, wohin die Reise geht.

 

Doch wie schon in Teil eins steckt mehr hinter den Figuren, vor allem hinter den Polizisten-Kumpels Jenko und Schmidt. Beinahe rührend sind deren Freundschaft und die Eifersüchteleien, wenn Dritte sie zu untergraben drohen. Diesmal hat es Schmidt schwer, der im ersten Film in der von Öko-Hipstern dominierten Schule überraschenderweise einen besseren Start hatte als sein Kollege. Auf dem College gehört er aber wieder zu den Außenseitern, den Kunst- und Theater-Nerds. Jenko feiert dagegen sein Comeback als Alphatier. Im Football-Team ein Star, braucht er in seiner sonstigen Studienzeit gar nicht groß seinen wenigen Grips anzustrengen. Die angesagteste Verbindung umwirbt ihn, die coolsten Typen wollen mit ihm abhängen.

22 Jump Street

 

Sonst aber bleibt alles beim Alten. Es handele sich um „den gleichen beschissenen Fall“, wird mehrmals im Film festgestellt. Man müsse einfach noch einmal alles genauso machen, wie zuvor. Doch ganz so einfach ist es dann glücklicherweise doch nicht. Und mit dem Regisseuren-Duo Phil Lord und Christopher Miller kann man sich spätestens seit „The Lego Movie“ ohnehin sicher sein, dass sich hinter all dem Krach, den College-Klischees und der knackig vorgetragenen Pointen immer auch eine Meta-Ebene versteckt hält. Eigentlich verrückt, wie beknackt und doch intelligent witzig ein Film sein kann.

 

Text: Max Trompeter / Fotos: © 2014 Sony Pictures Releasing GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: 22 Jump Street
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Sony Pictures
Laufzeit: 112 Min.