Für die Rettung des Morgen-Landes

Keine Frage: Die Welt braucht angesichts bedrohlicher Klimaveränderung und eskalierender Konflikte, auf die Regierungen nicht angemessen zu reagieren vermögen, dringend einen Bewusstseinswandel. Das dachte sich auch die Walt-Disney-Company und schuf im kalifornischen Disneyland eine noch vom Zukunftsoptimismus der 50er-Jahre geprägte Sektion namens „Tomorrowland“. Ebenso wie der Erfolg „Fluch der Karibik“ auf einer Vergnügungspark-Attraktion basierte, diente auch „Tomorrowland“ als Inspiration für den ursprünglich gleichnamigen Film, dessen Titel aber aus rechtlichen Gründen in „A World Beyond“ geändert wurde.

Casey (Britt Robertson) gelangt scheinbar durch Zufall an eine geheimnisvolle Anstecknadel.

 

Tatkräftig verpflichtete man als Regisseur und Drehbuchautor den hauseigenen Zögling und zweifachen Oscarabräumer Brad Bird („Ratatouille“ und „Die Unglaublichen“), der dafür sogar das verlockende Regieangebot für „Star Wars 7“ ausschlug. Auch zog Disney einen beeindruckenden Cast an Land: von dem auf Weltverbesserung abonnierten George Clooney bis hin zu „Dr. House“ Hugh Laurie und jungen schauspielerischen Ausnahmetalenten wie Britt Roberton („Kein Ort ohne Dich“) und Raffey Cassidy („Dark Shadows“).

 

Ein ausgesprochen optimistisch-kreatives Ausnahmetalent ist auch die Hauptheldin Casey (bezaubernd: Britt Robertson), die Tochter eines NASA-Ingenieurs (Tim McGraw). Scheinbar durch Zufall gelangt sie in den Besitz einer geheimnisvollen Anstecknadel. Diese ermöglicht ihr bei Berührung den Zugang zu einer Parallelwelt in der Zukunft, wie Casey sie sich in ihren kühnsten Träumen vorstellt. Visual-Effects-Produzent Tom Peitzman fand diesen Ort im spanischen Valencia in der City of Arts and Sciences. Beeindruckende Kreationen wie eine schwebende Hochbahn ergänzen das spektakuläre Set. Gespart hat man an nichts: Die futuristische Stadt ist umgeben von Weizenfeldern im Bernstein-Ton, die eigens für den Film angepflanzt wurden.

Laut den Berechnungen des genialen Frank Walker (George Clooney) hat die Menschheit genau noch 59 Tage zu leben.

 

Schon bald stellt sich heraus, dass Casey nicht durch Zufall in Besitz dieses hübsch designten Buttons gelangt ist – der im Übrigen bestimmt einen recht brauchbaren Merchandise-Artikel hergibt. Die entzückende Athena (Raffey Cassidy) hat die kühn-clevere Teenagerin auserkoren, Tomorrowland zu retten – dort hat mittlerweile der Technokrat David Nix (Hugh Laurie) die alleinige Macht an sich gerissen und will den vom globalen Kollaps bedrohten Menschen den Zugang zum Wunderland für immer versagen. Nach Katniss aus der „Tribute von Panem“-Reihe und Tris aus der „Bestimmung“-Serie setzt Casey damit den jüngsten Trend zum weiblichen Helden fort.

 

Athenas und Caseys erste Begegnung findet in einer der skurrilsten und witzigsten Szenen des Films statt: im Memorabilia-Kaufhaus „Blast from the Past“ (übersetzt: „Wahnsinnsknaller aus der Vergangenheit“), das von einem merkwürdigen Pärchen betrieben wird. Dort kann man begehrenswerte Sammlerstücke erwerben, beispielsweise die täuschend echte Imitation der Carbonit-Platte, in der Han Solo eingefroren war. Wie praktisch, dass Lucasfilm seit 2012 auch zum Disney-Imperium gehört.

Gemeinsam mit Frank Walker (George Clooney) und Athena (Raffey Cassidy) begibt sich Casey auf eine abenteuerliche Reise, um die Zukunft zu retten.

 

Athena sorgt dafür, dass Casey den genialen Visionär Frank Walker (George Clooney) aufsucht. Der war einst Mit-Architekt von Tomorrowland, fristet aber sein Dasein mittlerweile vollkommen desillusioniert auf einer heruntergekommenen Farm. Gemeinsam mit ihm könnte sie die Zukunft verändern. Nun beginnt eine recht fantasievolle, actionreiche und mit Special Effects beladene Abenteuerreise durch Raum, Zeit und Caseys eigenes Bewusstsein. Den Eiffelturm in Paris werden die Zuschauer demnächst wohl mit ganz anderen Augen sehen …

 

Gegen die Botschaft, die dem Film zugrunde liegt, lässt sich wahrlich nichts sagen: Die Menschen sollen das Schicksal der Welt nicht den Technokraten und Politikern überlassen, sondern ihr kreatives Potenzial bündeln, um gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Doch die Disney-typische honigsüß-naive Art, dies zu übermitteln, hinterlässt leider ebenso einen schalen Nachgeschmack wie diverse Product-Placements und der Bezug des Films zu einem lukrativen Disney-Vergnügungspark.

 

Text: Gabriele Summen / Fotos: © 2015 Walt Disney Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Regisseur und Mitautor Brad Bird möchte mit dem Sci-Fi-Action-Spektakel "A World Beyond" das dringend benötigte gesellschaftliche Umdenken vorantreiben.

 

 

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: A World Beyond
Genre: Science Fiction
Freigabealter: 12
Verleih: Disney
Laufzeit: 130 Min.